Zwei jüdische Topspieler im Einsatz
Von Joël Wüthrich
Erstmals seit langer Zeit werden nur noch zwei jüdische Topfussballer an einem Grossereignis im Einsatz sein. Dies auch aufgrund der Tatsache, dass in den aktuellen Nationalmannschaften, die traditionell einige jüdische Fussballstars beherbergen, keine jüdischen Spieler im Kader stehen. Holland, Polen und Russland haben derzeit keine jüdischen Nationalspieler an der Spitze. Die Tschechen jedoch schon mit Tomas Galásek. Deutschland hätte einen jüdischen Topfussballer zu bieten, jedoch ist Jan Rosenthal noch nicht so weit – ins Junioren-Nationalteam hat er es jedoch bereits geschafft.
Fokus auf Galásek und Rosenberg
An der Fussball-Weltmeisterschaft 2006 waren sechs Spieler und ein Chefcoach mit jüdischen Wurzeln im Einsatz. Besonders Argentinien, welches ja den vielleicht attraktivsten Fussball zelebrierte, hatte mit Juan Pablo Sorin, Walter Adrian Samuel und Coach Jose Nestor Pekerman gleich drei im Team. Auch im Einsatz war David Beckham. Er ist diesmal nicht mehr dabei, weil sich ja England trotz der Schützenhilfe Israels (Sieg im zweitletzten Spiel gegen Russland) sensationellerweise nicht qualifizieren konnte.
Und so sind diesmal statt einem guten halben Dutzend nur gerade zwei jüdische Fussballstars an den aktuellen Europameisterschaften in der Schweiz und Österreich zu sehen. Einer, Tomáš Galásek, ist Stammspieler und eine wichtige Figur im Mittelfeld der Tschechischen Nationalmannschaft. Der andere wäre Markus Rosenberg vom Schwedischen Nationalteam, der als Joker im Sturm wohl seine Einsätze bekommen wird.
Intelligent und unverzichtbar
Galásek ist in Tschechien so etwas wie eine Institution geworden. Seine Spielübersicht und klare Spielanalyse und seine Sicherheit sowie das hervorragende Stellungsspiel machten ihn in der Nationalmannschaft unerlässlich. Der 34-Jährige kann seine ganze Erfahrung von 16 Jahren Profi-Fussball in die Waagschale werfen. Anders als seine offensiven Mittelfeldkollegen, ist er keiner, der mit brillanten Einzelaktionen auf sich aufmerksam macht. Dennoch ist es meistens der defensive Mittelfeldspieler Galásek, der die nötigen Impulse geben kann. Und gleichzeitig funktioniert er wie ein «Staubsauger» vor der Abwehr-Viererkette. Er ist es, der die Gefahr, die von den gegnerischen Mannschaften ausgeht, im Keim ersticken kann, weil er meist das Spiel richtig erkennt. Sein Trainer Karel Brückner sagt über Galásek: «Er wird selten gelobt, aber auch selten kritisiert. Fast unbemerkt stopft er Löcher und kann auch nach vorne Impulse geben. Er spielt seine Rolle hervorragend und ich kann sagen, dass wir seit vielen Jahren keinen Besseren auf dieser Position haben. Er wurde für uns unverzichtbar.»
Der Joker im Sturm
Seine Qualitäten hat er im Eröffnungsspiel gegen die Schweiz erneut bewiesen. Markus Rosenberg war schon in den letzten drei Jahren immer auf dem Sprung zum Nationalspieler, konnte aber selten den Durchbruch schaffen. Nun hat er, nach einer sehr guten Saison in der Bundesliga bei Werder Bremen, nicht nur auf Clubebene den endgültigen Schritt zu einem Starspieler geschafft, sondern auch in Schwedens Nationalteam. Rosenberg blickt auf erfolgreiche Monate zurück. Der Schwedische Nationalspieler setzte sich im topbesetzten Kader der Bremer durch und feierte die direkte Champions-League-Qualifikation mit dem zweiten Platz in der Bundesliga. Seine Ausbeute: acht Treffer in der Liga, fünf in der Champions League (total 13). Diese Bilanz bewog Schwedens Nationaltrainer Lars Lagerbäck dazu, ihn einer grossen Anzahl anderer guter Stürmer vorzuziehen und ins EM-Kader zu beordern. Hinter Zlatan Ibrahimovic und Markus Allbäck wird Rosenberg wohl die dritte Geige spielen und sich mit Johan Elmander und eventuell sogar mit Altstar Henrik Larsson um die Einsätze bewerben.