Zum Tod von Kurt Sanderling

September 19, 2011
Dirigent Kurt Sanderling verstirbt einen Tag vor seinem 99. Geburtstag in Berlin.
Kurt Sanderling

In der Biografie des 1912 in Ostpreussen geborenen jüdischen Dirigenten Kurt Sanderling, der am 18. September, einen Tag vor seinem 99. Geburtstag in Berlin starb, spielte die Fünfte Sinfonie von Dmitri Schostakowitsch eine entscheidende Rolle. Nachdem er 1937 in der Sowjetunion, wohin er ein Jahr zuvor aus Deutschland geflüchtete war, die Fünfte seines späteren Freundes gehört hatte, tat sich ihm ein musikalisch neuer Kosmos auf. Fortan setzte er sich vehement nicht nur für seine Lieblingskomponisten Beethoven, Brahms und Mahler, sondern auch für Schostakowitsch, Bartók, Strawinsky und jüngere Musiker ein. Seit 1942 dirigierte Sanderling die Leningrader Philharmonie. Ihr verdankt er die Bekanntschaft mit Schostakowitsch. Als das Orchester während des Zweiten Weltkrieges nach Nowosibirsk ausgelagert wurde traf er erstmals mit dem bedeutendsten Komponisten der UdSSR zusammen. Obwohl ihm die Welt offen stand, als er 1960 nach Berlin zurückkehrte, wies er Angebote aus den USA zurück und zog es vor, in der DDR wichtige Aufbauarbeit zu leisten. Erst im Rentenalter begann er international tätig zu werden. [LA]