Zu hohe Preise?

Von Ora Coren, September 28, 2011
Honig ist in Israel wesentlich teurer als etwa in den USA und Grossbritannien. Dafür macht das JerusalemInstitute for Market Studies vor allem das Fehlen eines echten Wettbewerbs in Israel verantwortlich.
HONIG AUS ISRAEL Wesentlich teurer als in anderen Ländern?

Rechtzeitig vor dem jüdischen Neujahrsfest hat das Jerusalem Institute for Market Studies (JIMS) ein Dokument über die Honigpreise veröffentlicht. Aus traditionellen Gründen herrscht um diese Jahreszeit und an Rosch Haschana Hochsaison für Honig in der jüdischen Welt.
Das Dokument von JIMS zeigt auf, dass in den USA der Durchschnittspreis für ein 350 Gramm Honig enthaltendes Glas bei sechs Schekel liegt. Das sind nur 28 Prozent des entsprechenden Betrags in Israel. Hier kostet ein 350-Gramm-Glas im Durchschnitt 21 Schekel. In Warenhausketten im Zentrum des Landes liegt der Durchschnittspreis gar bei 30 Schekel.

Hochsaison

Der Honey Production & Marketing Board dagegen bezeichnet die Zahlen in dem Dokument als falsch und nicht der Wahrheit entsprechend. In Grossbritannien liegen ist Honigpreise um etwa die Hälfte billiger als in Israel. 350 Gramm kosten im Durchschnitt nach Angaben des Instituts 10,7 Schekel. «Rund 40 Prozent des Honigkonsumss in Israel werden während der hohen Feiertage im jüdischen Monat Tischri getätigt», sagte Keren Harel Harari, eine Ökonomin bei JIMS. «In diesem Monat werden rund 1500 Tonnen Honig konsumiert, was einem Wert von etwa 600 Millionen Schekel entspricht. Ein Israeli verbraucht pro Kopf in diesem Monat der vielen Feiertage im Durchschnitt rund 300 Gramm Honig.»
Die Gründe für die vergleichsweise hohen Honigpreise in Israel sind laut Harel Harari die gleichen wie für die hohen Preise für Milch und Käse: Hohe Margen für Wiederverkäufer, verglichen mit den Preisen, die sie den Lieferanten zahlen. Das wiederum sei auf eine schlecht durchdachte Regierungspolitik und eine übermässige Konzentration in der Honigindustrie zurückzuführen. Zwei Drittel des Honigpreises sind nach Meinung des Honey Production & Marketing Board Marketingmargen. Zudem würden die hohen Zolltarife den Import von Honig unwirtschaftlich machen. So beträgt die Zollbelastung auf einem 350-Gramm-Glas 17 Schekel, was 255 Prozent des Preises für Honig entspricht. Der Zoll auf Honig ist, wie der Honey Production & Marketing Board betont, der höchste im ganzen israelischen Nahrungsmittelbereich.

Empfehlungen

Aus China, Kanada, Mexiko und Argentinien importierter Honig kostet zwischen 5,7 und 6,3 Schekel pro 350-Gramm-Glas, ein Drittel des für israelischen Honig zu entrichtenden Preises. Der Honey Production & Marketing Board bewilligt aber, wie Harel Harari anführt, Zollbefreiungen nur für die stärksten Konkurrenten im Bereich. Das festigt ihre monopolistische Position und macht kleineren Honigproduzenten das Leben schwer. Nach Angaben von Harel Harari kontrolliert Yad Mordechai über 50 Prozent des Marktes. Das Unternehmen gehört gemeinsam dem Kibbuz Yad Mordechai und der Strauss-Gruppe.
Zur Verbesserung der Marktlage empfiehlt JIMS die Abschaffung der Quoten für importierten Honig und die Erhöhung der Einfuhren. Gleichzeitig empfiehlt das Institut, Israel solle Honig aus einer grösseren Anzahl von Ländern als bisher importieren. Ferner solle die Regierung prüfen, warum der dem Vernehmen nach die Quoten für Zollbefreiungen nur den stärksten Unternehmen gewährt. Im Gegensatz zum Jerusalemer Institut empfiehlt die Nahrungsmittelkommission, ein Arm des Ministeriums für Industrie, Handel und Arbeit, keine Senkung der Zollbelas-tung für Honig. Ebenfalls befürwortet das Ministerium keine Reduktion der Importabgaben für andere frische Landwirtschaftsprodukte wie Olivenöl oder frisches Obst und Gemüse. Hingegen hat das Ministerium Zollsenkungen für importiertes Schaf- und Lammfleisch sowie für Rind und Fisch genehmigt.

Falsche Zahlen?

In seiner Reaktion kritisierte der Honey Production & Marketing Board die Studie als «komplett falsch». Sie enthalte irreführende und verlogene Zahlen. Der Board will herausfinden, wer hinter dem Bericht steht, der seiner Meinung nach von «interessierten Kreisen» in Auftrag gegeben worden sei. Er schliesst ferner gerichtliche Schritte gegen JIMS nicht aus. Laut Zahlen des Boards kostet ein 350-Gramm-Glas Honig in den USA 15.50 Schekel und nicht sechs Schekel, wie das Institut behauptet. Nach Angaben des Honey Production & Marketing Board importiert Israel jedes Jahr 780 Tonnen Honig zollfrei. Von dieser Menge werden 280 Tonnen unter allen Vermarktern von Honig verlost. Zudem dürften nach Meinung des Boards unbeschränkte Mengen an Honig zu einem Vorzugszoll von 2,2 Schekel pro Kilo nach Israel eingeführt werden. Die Marketingketten und nicht die Produzenten würden, so der Board, die Preise bestimmen. Sobald man den israelischen Markt für Importe öffnet, würde er von «billigem Honig von niedriger Qualität» überflutet werden. Die USA haben beispielsweise den Import von chinesischem Honig untersagt. Das JIMS erwidert unter anderem, es sei eine unabhängige Institution, die von niemandem im Markt Geld entgegennehme.