Zeit der Dibbuks
Die Ereignisse unserer Zeit sind oft schwer zu verstehen. Der Redaktion von tachles sind Unterlagen zugespielt worden, dank deren hier Hinter- und Abgründe ausgeleuchtet werden sollen. Einige Beispiele: Ein falsches Bild machten wir uns bisher von Mahmoud Ahmedinejad. Als Präsident von Iran beweist er täglich, trotz seines schlichten Naturells, tiefen Respekt vor der Wissenschaft. Auch ist er, selbst wenn es auf den ersten Blick so scheinen mag, kein Antisemit. Von sich aus würde er nie den Holocaust leugnen oder Israel mit Vernichtung drohen. Der Ärmste kann halt nicht anders – er ist besessen. In ihm wohnt ein Dibbuk (ein Dämon, die Seele eines bösen Menschen, die wegen ungesühnter Sünden keine Ruhe findet und in jemand Lebenden fährt, und wäre es nur für den Vorspann eines Films der Coen-Brüder).
Der Dibbuk des Persers Ahmedinejad ist der Perser Haman. Das ist das ganze Geheimnis! Vor grauer Urzeit ist es Haman nicht gelungen, das jüdische Volk zu vernichten. Er konnte nicht verhindern, dass sich sein König in ein jüdisches Mädchen namens Esther vernarrte, sie aus dem Harem holte und zur Königin machte, der miese Polygamist, und ihr alle Wünsche erfüllte, sogar die Rettung ihres Volkes. Haman hat seinen Plan aber nie aufgegeben. Genervt vom vielen Rasseln jüdischer Kinder nahm er vom Nachfolger seines Königs Besitz. Immer, wenn Ahmedinejad den Mund aufmacht, beispielsweise letztes Jahr in Genf vor dem Uno-Menschenunrechtsrat, spricht Haman aus ihm. Das erklärt doch alles, oder?
Ein Dibbuk muss durch einen Zaddik, also einen Gerechten, sowie zehn weitere Männer ausgetrieben werden. Kurz vor Purim war es so weit. Haman sollte endgültig den iranischen Präsidenten verlassen, auf dass wieder Ruhe herrsche. Ein israelischer Ministerpräsident, der sich als Zaddik ausgab, schickte eine Gruppe Männer los. Sie verkleideten sich nach Vorschrift mit seltsamen Gewändern, übten merkwürdige Bräuche und führten unverständliche Handlungen aus. In ihrem euphorischen Wahn irrten sie sich allerdings ein wenig in der Geografie. Statt in Teheran landeten sie in Dubai. Und sie irrten sich nicht nur in dem Ort. Die Zielperson beteuerte, sie sei ein hoher Hamas-Mann und keineswegs von etwas anderem als von Israel-Hass besessen. Als partout kein Dibbuk aus ihm fahren wollte, verstärkte die Gruppe die Beschwörungen und ging beim Exorzismus leider zu weit. Kann passieren.
Der Dibbuk soll nun der Gruppe ausgetrieben werden, die durch die Welt geistert und den Aussenminister von Israel spielt. Kürzlich erlitt er in Brüssel wegen der misslungenen Dibbuk-Aktion in Dubai Schelte, verfehlte den Heimweg und schaffte es nur bis Ägypten. Dort traf er auf Wissenschaftler, die einmal mehr die Todesursache Pharao Tutenchamuns untersuchten. Ägyptische Mumien stellen in Gesellschaft oft Fragen nach schweizerischen Bundesräten. Jedenfalls erwachte Tut und fragte: «Ist Merz schon zurückgetreten?» Nach der negativen Antwort stieg das Malariafieber des jungen Pharao, und er flüsterte verzweifelt: «Weil er von Ghadhafi besessen ist!» Und sank wieder in ewigen Schlaf. Seither rätseln die Experten, wie Merz von diesem Dibbuk befreit werden könnte.