«Wozu brauchen wir diesen ganzen Vatikan?»
Moshe Dayans Überlegungen bezüglich der Jerusalemer Altstadt waren in erster Linie diplomatischer Natur. Er sah hier ein bedrohliches Mosaik von Kirchtürmen und Mosaikkuppeln mit einem riesigen Potenzial für Probleme. Dessen ungeachtet trat wenige Stunden später Levi Eshkols Regierung zusammen und verabschiedete den Vorschlag Menachem Begins und Yigal Allons, die Altstadt zu stürmen. Dieser Beschluss wurde auch von Moshe Dayan unterstützt.
Symbolischer Wert
Dayan war nicht die einzige zionistische Persönlichkeit, die zögerte, die Altstadt in den jüdischen Staat zu integrieren. Chaim Weizmann beispielsweise sagte im Juli 1937, er würde die Jerusalemer Altstadt auch dann nicht nehmen, wenn man sie ihm als Geschenk offerierte. Für viele Juden aber war die Altstadt zum Symbol geworden, und sie betrachteten nur die Stadt innerhalb der Mauern als das wirkliche und echte Jerusalem. In früheren Jahrhunderten haben Juden sich nicht nur im Jüdischen Viertel niedergelassen, sondern auch im moslemischen und christlichen und rund um Bab al-Houta im nördlichen Teil der Altstadt. Mitte der 70er Jahre wurde diese Siedlung der Grundstein für eine erneute jüdische Präsenz ausserhalb des Jüdischen Viertels in der Altstadt.
Mit 871 Dunam ist die Altstadt flächenmässig unbedeutend. Neben den bekannten heiligen Stätten beherbergt sie aber dutzende von anderen heiligen Plätzen, Synagogen, Moscheen, Kirchen und Klöstern. Nicht alle zu einer bestimmten Gemeinde gehörenden Stätten finden sich unbedingt im Quartier dieser Gemeinde. Die den Christen heilige Via Dolorosa etwa verläuft vor allem durch das Moslemische Quartier. Ende 1998 lebten 32 488 Personen in der Altstadt: 70% waren Moslems, 20% Christen und 8,5% Juden. Die meisten Moslems leben im Moslemischen Viertel, das auch 70 jüdische Familien und dutzende von jüdischen Lehrinstituten beherbergt. Im Christlichen Viertel wiederum leben auch 20 jüdische und einige moslemische Familien. Auch im Armenischen Viertel finden sich ein paar Moslems. Nur im Jüdischen Viertel residieren keine Vertreter anderer ethnischer Gruppen.
Möglicher Status
In den meisten Plänen, die Barak nach Camp David mitgenommen hatte - sie sind vom Aussenministerium, dem Büro des Premierministers, der Armee und dem Jerusalem-Institut entworfen worden - figuriert die Altstadt als eine Zone mit speziellem Status. Einige der Pläne sahen volle israelische Souveränität vor, während andere Pläne anderen Gruppen, vor allem den Palästinensern, einen gewissen Grad an Souveränität offerieren. Gemäss dem Stand der Information anfangs Woche (nach der Rückkehr Clintons nach Camp David) hatten einige der Pläne folgendes Aussehen:
Die Altstadt wird als «heilige Zone» demarkiert. Für sie wird eine spezielle Verwaltung errichtet, in der Vertreter aller ihrer religiösen Gemeinschaften, Einwohner, der israelischen Regierung und der arabischen Welt sitzen würden.
Die Altstadt wird in eine jüdisch/armenische und eine christlich/moslemische Verwaltung geteilt. Die jüdisch/armenische Verwaltung würde dann der bestehenden Stadtverwaltung «angehängt», die christlich/moslemische Administration jener von Sheikh Jarrah.
Bildung einer städtischen Verwaltungs-Korporation, in der jedes Quartier vertreten wäre.
Die ganze Altstadt wird zum Nationalpark erklärt. Das würde, was die urbane Planung betrifft, die heutige Situation zum Dauerzustand erheben.Bildung eines zweischichtigen Verwaltungssystems: Individuelle Quartier-Kommissionen und ein übergeordneter Lenkungsausschuss.
Haaretz