Wohin strebt Israels Wirtschaft?

von Moti Bassok, August 13, 2009
Mit 574 Milliarden Schekel für das erste Halbjahr 2009 stellte sich die nationale Schuld Israels zwar auf ein neues Rekordniveau, doch im Vergleich zu anderen Ländern scheint der jüdische Staat besser abzuschneiden.
WIEDERBELEBUNG DES KONSUMS Es wird wieder mehr mit Kreditkarten eingekauft

Israels nationale Schuld hat ein neues Rekordniveau erreicht. In der ersten Hälfte des laufenden Jahres nahm sie um 27 Milliarden oder 4,9 Prozent auf
574 Milliarden Schekel zu. Vor dem Hintergrund einer mit der Rezession kämpfenden Wirtschaft und einem schrumpfenden Bruttoinlandprodukt (BIP) dürfte dies das Verhältnis von Schulden zum BIP von 78,3 Prozent Ende 2008 auf 84 bis 84,5 Prozent Ende des laufenden Jahres erhöhen.

Israels Position relativ gut

Das Verhältnis von Schulden zum BIP gehört zu den wichtigsten Indikatoren für die Bestimmung der wirtschaftlichen Stärke und Stabilität. Ende 2008 war das für Israel geltende Verhältnis eines der positivsten in der entwickelten Welt. Die globale Wirtschaftskrise könnte aber zu einer Verbesserung von Israels relativer Position führen, da viele Länder des Westens, einschliesslich der USA, ihre Defizit-Ausgabenpolitik, verglichen mit der israelischen, um ein Vielfaches erhöht haben. Der Chefbuchhalter des israelischen Finanzministeriums veröffentlichte Zahlen, denen zufolge das Ministerium in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres neue Schuldscheine (Bonds) im Betrag von 26 Milliarden Schekel emittiert hat. Damit soll in erster Linie geholfen werden, das für 2009 erwartete riesige Budgetdefizit von 44,4 Milliarden Schekel – sechs Prozent der staatlichen Ausgaben – zu decken. Effektiv hatte der Staat im ersten Semester 2009 Bonds in der Höhe von 60 Milliarden Schekel aufgelegt, doch 34 Milliarden mussten zur Weiterschreibung von existierenden Schulden benutzt werden. 48 der 60 Milliarden waren in übertragbaren Schekel-Bonds, zehn Milliarden waren in Devisen, während der Rest sich aus nicht übertragbaren Schekel-Obligationen zusammensetzte.
Trotz der gewaltigen Defizit-Aussichten war der Nachfrageüberhang für die Bonds ganz wesentlich und die Emissionen wurden überzeichnet. Die durchschnittliche Laufzeit der Bonds lag bei 7,1 Jahren, verglichen mit 6,4 Jahren für die totale nationale Schuld. Die Mehrheit der diesjährigen Emissionen (56 Prozent) war in Schekel-Obligationen mit fixen Zinssätzen, während ein Fünftel der Bonds an den Konsumentenpreisindex gekoppelt war. Weitere sieben Prozent der Obligationen waren mit variablen Schekel-Zinssätzen versehen, und bei weiteren 17 Prozent handelte es sich um Bonds in fremden Währungen. Die Kombination der verschiedenen Typen der Obligationen reflektiert nach Ansicht von Yehoshua Oren, Chefbuchhalter des Finanzministeriums, die Ziele des Ministeriums für die Schuldenbewirtschaftung. Zu diesen Zielen gehört die Erhöhung des Anteils der Schekel-Schuld zu fixen Zinssätzen bei gleichzeitiger Reduktion des Ausmasses der anderen Arten der Schulden: der an die Inflationsrate gekoppelten, der Schulden mit variablen Zinssätzen und der in Devisen eingegangenen Schulden.

Wie sieht die Zukunft aus?

Die zentrale Frage bezieht sich auf die Richtung, welche die israelische Wirtschaft einzuschlagen gedenkt. Die Mehrheit der ökonomischen Indikatoren setzte auch im zweiten Quartal 2009 ihren Abwärtstrend fort, doch hatte sich das Tempo des Niedergangs verlangsamt. Gemäss neuen Daten des Statistischen Zentralbüros waren einige Indikatoren sogar positiv. So nahmen die Exporte auf Jahresbasis berechnet im zweiten Quartal des laufenden Jahres um 1,4 Prozent zu, nachdem sie in den drei Monaten davor noch um 25,3 Prozent gesunken waren. Die Detailhandelsverkäufe nahmen in der Periode April bis Juni um 5,1 Prozent zu, was gegenüber dem ersten Quartal (plus 4,2 Prozent) ebenfalls eine Verbesserung bedeutet. Gleichzeitig fielen die Importe von Rohmaterialien im zweiten Quartal 2009 nur noch um 14,5 Prozent. Im ersten Quartal musste noch ein drastischer Rückgang der Einfuhren um 47,4 Prozent in Kauf genommen werden. Auch die Zahl der Übernachtungen von Touristen in israelischen Hotels ging im zweiten Viertel des laufenden Jahres noch um 12,9 Prozent zurück, doch war die Reduktion im Vergleich zu den ersten drei Monaten (20,8 Prozent) schon wesentlich bescheidener. Für die Aufbesserung der Bilanz waren in erster Linie israelische Touristen verantwortlich, deren Übernachtungszahl im Berichtszeitraum um 15,7 Prozent zunahm. Als weiterer Indikator für eine Wiederbelebung der Konsumtätigkeit in Israel können die mit Kreditkarten getätigten Käufe angeführt werden, die im zweiten Quartal gegenüber dem ersten um 9,5 Prozent zugenommen haben.