Wochenrückblick

von Gisela Blau, October 9, 2008

Sitzung. Mehr oder weniger heimlich trafen sich am Montag Vertreter des Jüdischen Weltkongresses und Vertreter schweizerischer Banken zu Besprechung und Dinner im Zürcher Hotel Savoy. Nach übereinstimmender Meinung von Leuten, die es wissen müssen, handelte es sich um die Vorbereitung der Sitzung des Volcker-Komitees von Ende August. Thema ist dann wohl auch der für September erwartete Schlussbericht der grössten Bankenrevision der Welt, die alles in allem inklusive interne Personentage der untersuchten Banken rund eine Milliarde gekostet haben wird. Aber was bedeutet schon dieser Preis für die Glaubwürdigkeit (diesen Ausdruck benützt öfters Kurt Hauri, Präsident der Eidgenössischen Bankenkommission) im Vergleich zu den Verlusten und Gewinnen zahlreicher Banken?

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Senior. Alter schützt vor Torheit nicht: Sigi Widmer, kürzlich 80 Jahre alt geworden, lässt sich auf Platz 2 der SVP-nahen Zürcher Seniorenliste für den Nationalrat setzen. Die SVP warb, abgesehen vom Zuzug durch die Freiheitspartei, zur Ausschmückung ihrer Seniorenliste auch assortierte Altherren von der CVP und der FDP an. Nun hat sie mit Widmer ein Mitglied des serbelnden LdU gefunden, dem eine völlige Abwahl aus dem Nationalrat vorhergesagt wird. Widmer war lange Zeit LdU-Nationalrat und von 1966 bis 1982 Stadtpräsident von Zürich gewesen. In den letzten Jahren schrieb der Historiker Widmer giftelnde Kolumnen vornehmlich gegen die Bergier-Kommission. Doch nach dem abrupten Ende der Zürcher Gratiszeitung «Züri-Woche» kam ihm dieses einzige Forum abhanden, und er fand mal Unterschlupf bei der ultrarechten SVP-Postille «Schweizerzeit». Nun will Sigi Widmer wieder politisieren. In der Wirtschaft treten vernünftige Manager vernünftiger Firmen mit spätestens 60 Jahren zurück.