Wochenrückblick

von Gisela Blau, October 9, 2008

Mission Erfüllt. Mehr als 300 000 bedürftige Opfer von Schoa/Holocaust bekamen in den vergangenen zwei Jahren vom gleichnamigen humanitären Schweizer Fonds je nach lokaler Kaufkraft eine Geldspende zwischen 600 und 1000 (Schweiz) bis 2000 Franken (Roma und Opfer in den USA) oder werden sie noch erhalten. 55 Millionen wurden für nichtjüdische Opfer aufgewendet. Nur noch 20 der ursprünglichen 273 Millionen Franken müssen endgültig zugesprochen werden. Die aufgelaufenen Zinsen sind für Härtefälle reserviert. «Wir haben unsere Mission erfüllt», sagte Fondspräsident Rolf Bloch am Dienstag vor den Medien. An der vorhergehenden Sitzung der Fondsleitung hatte die Altersgrenze für politische Opfer, die dem Fonds, stets unangenehm gewesen war, aufgehoben werden können, und auch Roma in der Ukraine sollen eine Zuwendung bekommen. In Israel beginnt die Geldverteilung in ein paar Wochen, und die Gutschrift für die Schweiz sollte in den nächsten Tagen endlich aus Jerusalem eintreffen. Dann kann der Fonds dem VSJF die vorgestreckten 75 000 für die bedürftigsten überlebenden Opfer in der Schweiz zurückzahlen. Im April läuft das Mandat des Fonds nach drei Jahren aus, doch die Fondsleitung und der Stab mit Generalsekretärin Barbara Ekwall stehen dem Bundesrat weiterhin für die Abwicklung der restlichen Geschäfte zur Verfügung. Auch der Schlussrapport kann erst gegen Ende 2000 geschrieben werden. Aus diesem Grund muss das jüngst verstorbene Fondsleitungsmitglied Josef Burg durch eine Nachwahl ersetzt werden. Josi Meier ist überzeugt, dass der Schweizer Fonds eine wertvolle Pionierrolle spielte bei der Auffindung der Überlebenden und bei der Aufstellung der Verteilorganisationen. Sie denkt, dass diese Vorarbeit bei der Verteilung des Geldes aus dem Bankenvergleich nützlich sein wird. Fondsleitungsmitglied Avraham Hirshson, Mitglied des israelischen Parlaments, zeigte gewisse historische Defizite, als er sagte, dass der Humanitäre Fonds der erste Schritt auf dem Weg zur Beruhigung gewesen sei: «Die Volcker-Kommission und die Bergier-Kommission kamen später.» Stimmt leider nicht - die Volcker-Kommission wurde schon 1996 ins Leben gerufen, neun Monate vor dem Humanitären Fonds.