Wochenrückblick

von Gisela Blau, October 9, 2008

Buch. Der Kreis schliesst sich: Die bekannte Schweizer Fotografin Vera Isler hat eine Autobiografie geschrieben: «Auch ich…» (Verlag Edition Ost, Berlin). Am 6. Februar liest sie daraus anlässlich der Vernissage ihrer ganz besonderen Foto-Ausstellung in einer Galerie in Berlin, der Stadt ihrer Geburt. 1931 kam sie dort als Vera Sulamith Leiner zur Welt. Mit ihren beiden älteren Schwestern wurde sie 1936 von den vermögenden Eltern zur Sicherheit in die Schweiz geschickt, während die Auswanderung in die USA vorbereitet wurde. Doch die Nazis waren schneller. Der Vater, Pelzhändler und gebürtiger Pole, und die Mutter, geborene Ungarin, wurden nach Polen deportiert, in ein Kaff namens Krosno. 1943 wurden die Eltern und andere Verwandte in Auschwitz vergast. Davon wusste die kleine Vera allerdings kaum etwas. Erst 1998, nachdem ihre ältere Schwester gestorben war, erhielt sie aus deren Nachlass achtzig Briefe, die von den Eltern bis 1942 an die Töchter im Kinderheim Teufen AR geschickt worden waren. Die Schwester hatte sie ihr verschwiegen. Dieser erschütternde Nachlass stürzte sie in eine Lebenskrise, sagt Vera Isler, und diese habe zur lebensbedrohenden Krankheit Brustkrebs geführt. Nach der Operation liess sich die zierliche Künstlerin mit dem Trotz, zu dem sie fähig ist, blaue Blumen auf die Operationsnarben tätowieren und sich damit grossformatig fotografieren. Sie hat schon immer verstanden, aus Krisen das Beste zu machen: Zum Fotografieren, ihrer wahren Berufung, kam sie 1980 schliesslich auch erst durch eine gebrochene Hand, die keine andere Bewegung als den Druck auf den Auslöser zuliess - sie war beim Rollschuhfahren mit ihrer jüngeren Tochter im New Yorker Central Park gestürzt .... Auch das Buch ist so eine Trotz-Blume. Die Fotos werden im Haus am Lützowplatz 9 beim Berliner Tiergarten bis 9. März ausgestellt sein, die endgültige Auflage des Buches erscheint Anfang März. Zur Vernissage und Lesung gibt es erst ein Taschenbuch für Freunde. Verschiedene TV-Stationen haben sich bereits an Vera Islers Fersen geheftet. Ihr tapferes Coming-out - Holocaust und Brustkrebs - soll andere ermutigen, sagt die Künstlerin.