«Wir sind Botschafter Israels, aber …»
Präsident Marko Weinberger erklärete an der Gründungsversammlung von JCall Schweiz in den Räumlichkeiten der Communauté Israélite de Genève: «Wir verstehen uns als Botschafter Israels, aber nicht als Botschafter der jeweiligen israelischen Regierung.» Dabei betonte er das Existenzrecht Israels in gesicherten und anerkannten Grenzen, aber auch das Recht der Juden in der Diaspora zur Kritik an der israelischen Regierung, zumal wenn diese das Land in Gefahr bringe, «das auch unser Land ist».
Konfliktlösung angestrebt
Der Status quo werde jeden Tag gefährlicher für Israel und die Region. Deshalb gehe es nicht mehr darum, den Konflikt zu verwalten, sondern ihn zu lösen. Zu diesem Zweck will JCall Schweiz gemäss den an der Versammlung vorgestellten Statuten innerhalb der jüdischen Gemeinschaft der Schweiz einen Frieden auf der Grundlage des Prinzips «zwei Völker, zwei Staaten» propagieren. Zudem solle der Dialog zwischen Israeli und Palästinensern im Hinblick auf einen dauerhaften Frieden gefördert werden. Der überparteiliche und laizistische Verein – dessen Vorstand auch der frühere Botschafter François Nordmann angehört (vgl. tachles 48/11) – will diese Ziele durch die Unterstützung und Organisation von öffentlichen Veranstaltungen zu politischen und kulturellen Themen anstreben.
«Deblockierung der Situation»
Eine erste solche Veranstaltung fand im Anschluss an die konstituierende Versammlung, in Anwesenheit von alt Bundesrätin Ruth Dreifuss, statt. David Chemla, Generaldirektor von JCall Europa, rief die Anfänge der Bewegung mit einem «Appell an die Vernunft» in Erinnerung, der im Mai 2010 im Europäischen Parlament lanciert worden war. Seither sei dieser von 8000 Personen aus 30 europäischen Ländern unterzeichnet worden. Rechtsprofessor Marcelo Kohen bezeichnete JCall als Ausdruck eines modernen Zionismus, dessen Aufgabe es sei, die Zukunft Israels zu sichern. François Nordmann betonte die Notwendigkeit einer «Deblockierung der Situation» und einer Rückkehr an den Verhandlungstisch. Die Journalistin Gisela Blau ging der Frage nach, warum Israel ein derart unverhältnismässiges Interesse auf sich ziehe und wagte die Prognose, dass es auch dann kein «normales Land» sein werde, wenn es zu einer Lösung komme. Auf heftigen Widerspruch im gemischten Publikum stiess alt Botschafter Philippe Lévy, der anhand von Zitaten die These darlegte, die israelische Armee sehe ihre Aufgabe seit dem Eichmann-Prozess in der «Rache für die Schoah».
Davon distanzierte sich auch Präsident Marko Weinberger, welcher der Judenverfolgung im Zweiten Weltkrieg entkommen war: «Wir wollen die Schoah nicht instrumentalisieren.»