«Wir gehören alle zusammen»

von Igal Avidan, October 9, 2008
Als Reaktion auf den Anschlag auf die Synagoge in Berlin-Kreuzberg verschärfte die Polizei die Schutzmassnahmen um dieses 1916 errichtete Gotteshaus. Berliner Polizeipräsident Hagen Saberschinsky sagte der JR, dass ein «palästinensischer Hintergrund» für den Anschlag am frühen Freitagmorgen (6. Oktober) denkbar sei, bei dem drei Glasscheiben durch Pflastersteine zerstört wurden.

Berlins Polizeipräsident Saberschinsky gab bekannt, dass 278 Polizisten sowie 16 israelische Sicherheitsmitarbeiter (deren Zahl auf 21 erhöht wird) täglich die 49 jüdischen und israelischen Einrichtungen in Berlin schützen. Bisher wurde die Kreuzberger Synagoge, anders als die zentral liegenden Einrichtungen, nur während Gottesdiensten und an an jüdischen Feiertagen ständig bewacht. Zu anderen Zeiten machte stündlich eine Polizeistreife und eine private Wachfirma die Runde, letztere wird von der Jüdischen Gemeinde bezahlt. Berlins Innensenator Eckart Werthebach versprach, die Synagogen mit baulichen Mitteln besser zu schützen. So plane man Videokameras aufzustellen, aber dazu sei eine Gesetzesänderung notwending. Am vergangenen Freitagabend nahmen prominente Politiker am Shabbat-Gottesdienst in der Synagoge in Berlin-Charlottenburg teil. Auf Initiative von Renate Künast, Chefin der Grünenund in Begleitung zahlreicher Kamerateams und Photographen, wurden die Vertreter aller im Bundestag vertretenden Parteien - darunter Aussenminister Joschka Fischer und Bundestagspräsident Wolfgang Thierse - vom Gemeindevorsitzenden Andreas Nachama geführt. Anschliessend nahmen sie am Gottesdienst teil, um auf diese Weise ihre Solidarität mit der Jüdischen Gemeinde zu demonstrieren. «Der Anschlag auf die Düsseldorfer Synagoge zielte auf den Kern der deutschen Demokratie», sagte Fischer der JR. «Ich wollte mit meinem Besuch demonstrieren, dass wir solche Angriffe keinesfalls dulden oder zulassen werden. Ein Anschlag gegen die Jüdischen Gemeinden ist ein Anschlag auf uns alle.» Parlamentspräsident Thierse zur JR: «Der Anschlag gerade am 3. Oktober, dem deutschen nationalen Feiertag, war ein Versuch zu zeigen, dass die Juden nicht zu den Feiernden gehören. Um zu zeigen, dass sie doch zu uns gehören, feiern wir mit ihnen», so Thierse weiter. Nachdem am vergangenen Shabbatabend ein alkoholisierter, nackter Mann die zwei Sicherheitspolizisten vor der Synagoge in Berlin-Prenzlauer Berg überrant hatte, wurde er erst durch die israelischen Bodyguards daran gehindert, den Gottesdienst zu stören. Da die Männer von israelischen Sicherheitsmännern mit Pfefferspray gestoppt wurden, wird nun auch die Berliner Polizei mit Pfefferspray ausgerüstet.