«Wir arbeiten im Interesse des Künstlers»
TACHLES: Welche Bedeutung hat die Art Basel für die Galerie Freeman?
RACHEL CHURNER: Wir kommen seit sieben Jahren an die Art Basel. Dabei zu sein ist für unsere Galerie wichtig, auch wenn dies nicht die grösste und wichtigste Kunstmesse ist. Diese Plattform gibt uns die Möglichkeit vielen Kunden, speziell auch Sammlern, unsere Kunstwerke in Europa zu zeigen. Nicht jeder kann uns in New York aufsuchen.
Die Liste der Künstler, die Ihre Galerie vertritt, ist beeindruckend: Robert Rauschenberg. Ellsworth Kelly, Cy Twombly. Gerhard Richter, Alberto Giacometti, Andy Warhol, Roy Lichtenstein, Bruce Nauman und Frank Stella, um nur einige zu nennen. Wie haben Sie das geschafft?
Peter Freeman, der Besitzer der Galerie, ist schon 25 Jahre im Kunstgeschäft. Zunächst arbeitete er als Kurator im Whitney Museum in New York. Danach begann er zu Hause als Kunsthändler Kunden zu empfangen. Schon damals hatte er grossartige Beziehungen zu wichtigen Künstlern wie Frank Stella und Ellsworth Kelly.
Welche von diesen Künstlern sind an der Art durch Ihre Galerie vertreten?
Wir zeigen unter anderen Alberto Giacometti, einen Schweizer Künstler. Die Liste der Künstler, die wir repräsentieren, ist unendlich lang. Schon aus Platzgründen können wir nicht alle von ihnen vertreten – aber wir können, wenn nötig, von allen Werke beschaffen.
Wie schwierig war es, einen Kundenstamm solch prominenter Künstler aufzubauen und wie gehen Sie dabei vor?
Es ist sehr aufwendig und mit viel Arbeit verbunden. Wir kontaktieren meistens die Künstler persönlich, um sie bekannt zu machen und zu fördern. Zum Beispiel haben wir Mel Bochner, der an der Art Unlimited ausstellt, angefragt, ob er interessiert daran sei, an der Art auszustellen. Seine Arbeit hat uns begeistert.
Alles spricht heute über die Finanzkrise. An der Art Miami Beach ging der Umsatz letzten Dezember um 30 Prozent zurück. Spüren auch Sie die Krise?
Ja, klar. Wir spüren das wie alle anderen im Kunstmarkt. Trotzdem verkaufen wir viel Kunst. Wir arbeiten hart, viel mehr als früher, beinahe doppelt so viel. Auch die Preise haben sich verändert. Für uns steht die Qualität immer im Vordergrund. Wir
arbeiten auch oft mit anderen Galerien zusammen, das heisst, wir machen auch Ausstellungen in anderen Galerien. Wir haben keine Angst vor Konkurrenz, sondern arbeiten nach dem Motto «miteinander und nicht gegeneinander». Schliesslich arbeiten wir im Interesse des Künstlers.
Jahrelang stiegen die Preise im Kunstmarkt ins Unermessliche. Hat jetzt eine Korrektur stattgefunden?
Ja doch, in gewisser Weise schon.
Bei Christie’s und Sotheby’s wurde viel weniger umgesetzt, sogar grosse Namen wie Jeff Koons und Andy Warhol waren betroffen. Haben Sie das je in Ihrer Karriere erlebt?
Nein, noch nie! Der rasante Preiszerfall und der Wechsel kam für uns alle ziemlich überraschend.
Vor Kurzem wurden die Maler Lucian Freud und Damien Hirst noch sehr hoch gehandelt. Wie war das überhaupt möglich, findet jetzt eine Korrektur statt?
Schwierig zu sagen. Doch, ich denke, auf gewissen Gebieten schon. Werke der zeitgenössischen Kunst wurden schnell gekauft und verkauft, im Gegensatz zur Kunst, die einen historischen Wert hat. So entstand eine Eigendynamik, die damit verbundenen Preise haben sich weit vom wirklichen Wert entfernt. Teilweise wurde der Markt zerstört. Und auch das Vertrauen der Kunden ging verloren.
Wer bestimmt eigentlich, wie wertvoll ein Kunstwerk ist? Kann man das in Zahlen festhalten?
Hier handelt es sich um einen Konflikt von Interessengruppen. Es geht darum, welche Summe der Eigentümer für ein Kunstwerk haben möchte, aber auch darum, wieviel ein Sammler bereit ist zu bezahlen. Zudem ist wichtig, welchen Wert die Kunst aus der Sicht des Künstlers selbst hat.
Es gibt auch den emotionalen Wert. Wie wichtig ist der?
Der ist sehr wichtig und mehr wert, als man in Dollar ausdrücken kann. Wenn jemand Kunst kauft, um zu spekulieren, hat er etwas verpasst.
Soll man jetzt unbedingt Kunst zu guten und fairen Preisen kaufen?
Ja doch, jetzt ist ein guter Zeitpunkt, um Kunst zu kaufen. Die Nachfrage hat nachgelassen und es gibt es eine grössere Auswahl an Kunstwerken.
Haben Sie je auch gemalt?
Nein, ich habe Kunstgeschichte studiert und für eine gewisse Zeit an der Graduate School der Columbia Universität in New York unterrichtet.
Wer sind Ihre Kunden? Sind es ausser Privaten und Kunstsammlern auch
Museen?
Wir haben einen soliden Kundenstamm und es kommen immer neue Kunden dazu. Auch in Basel kann man viele Leute treffen. Die Museen gehören zu unseren wichtigsten Kunden, ausserdem private Sammler und Kunstratgeber, die eine Sammlung aufbauen und betreuen.
Der Käufer will Qualität, und trotzdem ist zeitgenössische Kunst im Trend, woran liegt das?
Der Käufer möchte gerne eine Beziehung zum Künstler herstellen. Er möchte ihn aber auch durch seinen Kauf unterstützen. Unsere Kunden verhalten sich gegenüber den Künstlern meistens sehr grosszügig.
Wie geht es weiter? Wird der Kunstmarkt überleben?
Ja, bestimmt. Vielleicht wird das Geschäft weniger lukrativ sein. Der aufgeblasene Markt wird sich verkleinern, weniger wachsen, und auch die Spekulationen werden abnehmen.