Wie weiter?
Nach rund zweijähriger Arbeit der Rabbinerfindungskommission (Rafiko) beschlossen die Mitglieder der Israelitischen Gemeinde Basel (IGB), dass nun über die drei nominierten Kandidaten Avigdor Bokov, Joël Jonas und David Zadok abgestimmt werden soll. Ein Entscheid, der nach einer intensiven Diskussion im Plenum am Montagabend (vgl. Artikel Seite 21) nicht wenige verwunderte. Am Mittwochmorgen reagierte der IGB-Vorstand nach seiner abends zuvor abgehaltenen Sitzung in einem Communiqué u.a. mit der Konklusion: «Die intensive Diskussion rund um die Rabbinerwahl hat gezeigt, dass in der IGB unterschiedliche Ansichten über das religiöse Zusammenleben bestehen. Der Vorstand beabsichtigt, dieses zentrale Thema in der nächsten Zeit mit allen Interessierten aufzunehmen, um gemeinsam nach kreativen Lösungen zu suchen.» Ein Vorhaben, das zwar schon jahrelang in Aussicht gestellt aber reichlich spät kommt und widersprüchlicher nicht sein kann, zumal diese Formulierung zum jetzigen Zeitpunkt sich eher wie eine Strafaufgabe, denn wie ernstes Bedürfnis ausnehmen. Wie kann eine Gemeinde über die religiöse Ausrichtung konkret diskutieren, wenn mit einer beschränkten Auswahl von Rabbinern, durch die sich offenbar 40% der IGB-Mitglieder nicht repräsentiert fühlen, de Facto die Antwort auf diese Diskussion schon vorweg genommen wird? Rafiko und Vorstand habe bezüglich der Rabbinersuche viel Arbeit und Zeit investiert. Es gibt viele Sachzwänge und jederman weiss, wie schwierig diese Suche sich gestaltet hat. Doch letztlich schafft dies die Frage nicht aus der Welt, ob der Vorstand trotz Mitgliederbefragung und vielen persönlichen Gesprächen die Stimmung innerhalb der Gemeinde falsch eingeschätzt hat. Angesichts der Entwicklungen innerhalb der IGB - die ja nur ein Spiegel der weltweiten Verlagerungen innerhlab der jüdischen Gemeinschaft sind - hätte über die Frage nach den «Ansichten des religiösen Zusammenlebens», der Ausrichtung der Einheitsgemeinde, dem Wirken von Ofek und anderen Strömungen bereits vor oder zumindest während der Rabbinersuche nachgedacht werden müssen. Jetzt gilt es, ungeachtet der Person, die letztlich das Rabbineramt übernehmen wird, vor allem in der Erziehungs- und Kulturarbeit Nägel mit Köpfen zu machen. Diskussionen und Beratungen sind gut, doch dürfen deswegen die sich aufdrängenden Massnahmen nicht vergessen werden, denn sonst werden die Verantwortlichen feststellen müssen, dass die IGB als Einheitsgemeinde wohl eine Vergangenheit aber keine Zukunft mehr hat.