Wer handelt mit «Blut-Diamanten»?

von Joseph Canaan, October 9, 2008
Immer wieder machen wilde Gerüchte über gezielte Verstösse gegen UN-Auflagen und das Verbot des Handels mit Rohdiamanten aus afrikanischen Ländern, die sich im Kriegszustand befinden, die Runde. Bisher wurden nur wenige Beweise geliefert und dennoch brodelt es in der Gerüchteküche der Branche. Die Unterstellungen und Anschuldigungen führen zu Verärgerung und oft auch zu harten Reaktionen.
Wilde Gerüchte: Die Herkunft von Diamanten soll genauer unter die Lupe genommen werden. - Foto Keystone

Die israelische Diamantenindustrie sieht in den kursierenden Gerüchten eine gezielte Verleumdungskampagne interessierter Kreise in Antwerpen, die wahrscheinlich selbst involviert sind, und gerade deshalb versuchen, oft durch unlautere Methoden, andere in den Kreis der Mitschuldigen zu ziehen, die durch den Handel mit so genannten «Blut-Diamanten» aus afrikanischen Ländern die blutigen Kriege zwischen Regierungen und Aufständischen dort finanzieren.
Die israelischen Behörden reagieren mit Unmut auf solche Unterstellungen, die sich nie auf handfeste Beweise stützen, sondern immer mit vorgehaltener Hand kolportiert werden. Für die israelische Industrie sind diese Behauptungen, die an Verleumdungen grenzen, ein fester Bestandteil des harten Wettbewerbs, der oft auch mit Tiefschlägen unter der Gürtellinie ausgetragen wird. Dazu sagte Udi Schönthal, Leiter der staatlichen Aufsichtsbehörde über den Diamantenhandel in Tel Aviv gegenüber der JR, unseren Konkurrenten in Antwerpen fehlen handfeste Beweise für vermeintliche Verstösse gegen die strengen UN-Auflagen. Jedoch diese Tatsache hält gewisse Interessenten nicht davon ab, Umweltverbände und andere Organisationen mit unfundierten und rufschädigenden Informationen zu füttern, auch wenn sie sie nicht beweisen können.

Koschesiegel für Diamanten

Schönthal fügte hinzu, 2000 war ein gutes Jahr für die israelische Diamantenbranche. Sie steigerte ihre Rohdiamanten-Importe um 16,5% auf 6,75 Mrd. $ und exportierte geschliffene Edelsteine im Wert von 7,94 Mrd. $, die einem Zuwachs von 23,2% entsprechen. Auch die bisher eher dünnen Gewinnmargen haben sich im Vorjahr leicht gebessert und dieses Tatsache scheint den Neid der belgischen Konkurrenz geweckt zu haben. Laut dem Sprecher bezieht Israel Rohdiamanten hauptsächlich aus drei Quellen: Grossbritannien, Schweiz (als internationale Drehscheibe) und Belgien. Die Direkteinfuhren aus afrikanischen Ländern seien minimal und machen nicht mehr als 4 bis 5% aus. Die israelische Aufsichtsbehörde wie auch die verarbeitende Industrie gehen von der Annahme aus, dass die aus Belgien bezogenen Rohdiamanten von den belgischen Kontrolleuren auf ihre Kompatibilität mit den UN-Auflagen überprüft wurden. Trotz dieses «Koschersiegels» kontrollieren auch wir hier in Tel Aviv die Ursprungs-Zertifikate der Diamanten in Übereinstimmung mit den strengen Auflagen, heisst es.

Risiko bei Diamanteneinfuhr aus Kriegsgebieten

Wer in Versuchung kommen sollte mit Diamanten aus Kriegsgebieten zu handeln und sie einzuschleusen, geht ein enormes Risiko ein. Ich als Chef der Aufsichtsbehörde habe volles Beschlagnahmerecht der Ware, ich kann Händler oder Makler vor den Richter stellen und ihnen den Prozess machen. Darüber hinaus verliert so ein schwarzes Schaf sofort seine Mitgliedschaft an der Diamantenbörse in Tel Aviv mit schnellen weltweiten Auswirkungen. Ich glaube, fügte Schönthal hinzu, unser Massnahmenpaket reicht aus, um abschreckend zu wirken.
Ähnlich äusserte sich der Präsident der Diamantenbörse, Schmuel Schnitzer, der die belgischen Unterstellungen als plumpe Versuche bezeichnete, Misstrauen gegenüber der israelischen Konkurrenz zu schüren. Zvi Schore, Geschäftsführer des Verbandes der verarbeitenden Diamantenindustrie, nahm diesbezüglich kein Blatt vor den Mund und sagte, ein UN-Gutachten lobt die in Israel gehandhabten Massnahmen gegen den Handel mit Diamanten aus afrikanischen Kriegsgebieten und kritisiert in einem anderen Bericht die Tatsache, dass in Belgien etwa ein Drittel des Handels ohne ausreichende Ursprungskontrolle erfolgt und dazu noch ausserhalb der Börse über die Bühne geht.