Was will er jetzt?

December 30, 2011
Der ehemalige Rechtsanwalt Ed Fagan ist wieder in der Schweiz. Was er bezweckt ist noch unklar.
Ed Fagan

Die Gratiszeitung «20 Minuten» machte es publik: Ed Fagan, der ehemalige Rechtsanwalt aus New York und New Jersey, ist wieder in der Schweiz. Laut der Zeitung wollte er angeblich gestern Donnerstag in einer «Tour de Suisse» die UBS und die Credit Suisse in Zürich, die Schweizerische Bankiervereinigung in Basel und das Bundesamt für Polizei in Bern «besuchen», um eine «schriftliche Anfrage» zu deponieren.

Es geht Fagan anscheinend um «verdächtige Konten und Bankschliessfächer» von zwei Nazi-Generälen, die seit Jahrzehnten tot sind und deren Identität im Internet leicht aufzufinden ist: Viktor Lutze von der SA (Sturmabteilung), die er während der Reichskristallnacht 1938 befehligte, und Hans Kammler, General der SS, Architekt und verantwortlich u.a. für die Planung und den Bau von KZ-Anlagen samt Krematorien. Lutze starb 1943 bei einem Autounfall. Kammler nahm sich am Tag des Einmatsches der Roten Armee in Prag während der Flucht das Leben. Fagan, der offenbar glaubt, dass die beiden Grossbanken noch Vermögenswerte der toten Nazi-Generäle horten, will diese laut 20 Minuten einfrieren lassen.

Laut der Zeitung wollten sich weder die Credit Suisse noch die Bankiervereinigung äussern. Christoph Meier, Sprecher der UBS schon während der Debatte um nachrichtenlose Vermögen, bestätigte jedoch die Kenntnis vom angekündigten Besuch Fagans. Und er sagte zu «20 Minuten»: «Eine internationale Historikerkommission und mehrere hundert Wirtschaftsprüfer haben in den 90er-Jahren die Rolle der Schweiz beziehungsweise der Banken während des Zweiten Weltkrieges sorgfältig und umfassend aufgearbeitet. Jeder Stein wurde umgedreht, jeder Spur nachgegangen.»

Es ist unklar, was Fagan diesmal bezweckt oder welche Fakten oder Dokumente er für solche Behauptungen vorlegen könnte. Der ehemalige Anwalt, der Unfallopfern seine Visitenkarte zu überreichen pflegte, wurde erst bekannt, als er eine erste Sammelklage gegen Schweizer Banken einreichte. 2009 wurde ihm endgültig die Anwaltslizenz entzogen. Ein Gericht in New Jersey verurteilte ihn zudem wegen Betrugs: Er hatte zwei seiner Klientinnen um 350 000 Dollar aus der Rückzahlung ihrer Holocaust-Guthaben erleichtert. Ausserdem befand das Gericht, dass er mehr als 15 Millionen Schulden bei Mandanten und Kreditgebern habe. [GB]