Was hat Basel mit dem Talmud zu tun?
Das Gerüst des Talmuds (das Wort bedeutet deutsch «Studium») bildet die im 2. Jahrhundert redigierte Mischna («Lernen», «Wiederholung»), das Basiswerk der bis dann mündlichen Lehre, das in 63 Traktaten das ganze Spektrum des jüdischen Religionsgesetzes behandelt. Der Talmud besteht aus Mischna und Gemara («Studium», «Vollendung»), einer Sammlung von Diskussionen späterer Gelehrter, welche die Mischna auslegten. In Israel wurde im 5. Jahrhundert der «Jerusalemer Talmud» und in Babylonien im 6. Jahrhundert der bedeutendere «Babylonische Talmud» redigiert. Die Gemara schweift inhaltlich oft vom Ausgangspunkt der Mischna ab. So enthält der Talmud nebst Interpretationen und Erklärungen zum jüdischen Gesetz (der Halacha) auch zahlreiche Erzählungen und philosophische Gedanken (die Agada), wobei allerlei Themen uneingeschränkt besprochen werden. Die erste gedruckte Ausgabe des Talmuds wurde 1520 von Daniel Bomberg in Venedig herausgegeben. Aber schon nach 30 Jahren lancierte der Vatikan, der die Erlaubnis zum Druck zuvor erteilt hatte, eine Kampagne, die zur Zerstörung des Talmuds aufrief, was Talmudverbrennungen in Europa zur Folge hatte. Die erste zensierte Talmudausgabe, auf welcher die meisten folgenden Ausgaben basierten, erschien in Basel zwischen 1578 und 1581, wobei die Auslassungen beziehungsweise Abänderungen einzelner, der christlichen Obrigkeit nicht genehmer Abschnitte oder Ausdrücke auffallen. Um 1870 wurde in Wilna (Litauen) durch die Geschwister Romm die bis heute verbreitetste Ausgabe auf 5894 Folioblättern gedruckt, die als «Schas Wilna» bekannt ist. Im November 2010 wird die israelische Talmudausgabe von Rabbiner Adin Steinsaltz, mit einem modernen hebräischen Kommentar versehen, komplettiert. Diese zeichnet sich auch dadurch aus, dass sämtliche Stellen, die im Verlauf der Jahrhunderte von der christlichen Zensur gestrichen oder abgeändert wurden, wieder eingefügt respektive korrigiert wurden. [ec]