Warum hat Yuli Ofer seinen letzten Willen geändert?
Bis zu den letzten Momenten in geistiger Klarheit hatte der israelische Wirtschaftsmagnat Yuli Ofer versucht, einen Kampf seiner Kinder um die Milliardenerbschaft zu verhindern, die er hinterlassen würde. Inzwischen wurde klar, dass Ofers Versuche erfolglos geblieben sind. Der zwischen Leora und Bruder Doron Ofer angelaufene Konflikt droht, die kontrollierende Mehrheit der Familie über die Bank Mizrahi-Tefahot zu gefährden.
Yuli Ofer starb im September im Alter von 87 Jahren. Die endgültige Version seines Testamentes ist im November 2008 unterzeichnet worden. Sie enthält eine wesentliche Veränderung der vorgehenden, im April des gleichen Jahres unterschriebene Version: Yuli hinterliess die Mehrheit seiner Aktiva, sein Anteil an Ofer Brothers Investments eingeschlossen, seiner Tochter Leora. Der Erbanteil von Bruder Doron ist scharf reduziert worden.
Gerüchteküche
Nach der Ansicht eines Freundes der Familie Ofer wollte Yuli mit der Änderung des Testamentes erreichen, dass die beiden Kinder auf gleicher Ebene stehen würden, da Doron bereits über zahlreiche eigene Geschäftsinteressen verfügte. Eine dem Verstorbenen nahestehende Person meinte dagegen, das sei nicht der Grund gewesen. Vielmehr habe der Vater sich geärgert über die Art und Weise, wie Doron sich in allen Belangen benahm, die mit den Familiengeschäften zu tun hatten. Das betraf vor allem seinen Widerstand gegen Veränderungen bei Mizrahi-Tefahot.
Ofer Brothers Investments kontrolliert Dutzende von Gesellschaften durch Ketten von Tochterfirmen. Zu den bekanntesten zählen Melisron (71,5 Prozent), zu dessen Holdingfirmen die Ramat Aviv Mall (Einkaufszentrum) gehört, sowie die Firma British Israel, die auf Einkaufszentren spezialisiert ist (71,5 Prozent), die Bank Mizrahi-Tefahot (19,8 Prozent) und Ofer Brothers Shipping (98 Prozent).
«Als Yuli sein erstes Testament verfasste», meinte der genannte Freund der Familie, der um Anonymität ersucht hat, «wusste er, dass Doron schon viel von ihm erhalten hatte. Warum also die Meinungsänderung? Die einzige mögliche Erklärung ist meiner Ansicht nach, dass Doron ihn erzürnt hatte, weil er nicht mit den Wünschen der Familie Mizrahi-Tefahot entsprechend kooperieren wollte.»
Konkret ging es um die Forderung der Bank of Israel nach einer Reduzierung des Einflusses von Ofer Investments und der Trennung ihrer Holding an Mizrahi-Tefahot von seinen Investitionen in Einkaufszentren und Immobilien. Das war die Bedingung der Zentralbank dafür, dass Ofer die Kontrolle der Bank behalten könne. Diese Veränderungen zielten darauf ab, die Holding der Ofers an Mizrahi-Tefahot zu stabilisieren. Dem Vernehmen nach wegen der Opposition von Doron Ofer wurden diese Veränderungen aber nie in die Tat umgesetzt. Die neue Struktur würde, so argumentierte er, die Gesellschaft steuerlich extrem stark belasten.
Im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte
Das verärgerte den Vater nach Ansicht von Freunden der Industriefamilie. Yuli Ofer war, so sagen sie, im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte, als er sein Testament verfasste. Noch 2010 würde er das Hauptquartier der Bank aufsuchen, um sich nach dem Gang der Dinge zu erkundigen. Als er nicht mehr imstande war, sich selber dorthin zu begeben, besuchte Jacob Perry, der Vorsitzende der Bank, Yuli Ofer zu Hause, um ihm Bericht zu erstatten.
Kreise, die Doron Ofer nahestehen, vertreten die Ansicht, Yuli Ofers letzte Version des Testaments sei zu einem Zeitpunkt geschrieben worden, als der Mann erkrankt und nicht mehr klar im Kopf war. Dem Vernehmen nach macht Doron Ofer auch Opposition gegen die Absicht seiner Schwester, den Anwalt Zvi Efrat als Vollstrecker von Yuli Ofers Testament einzusetzen. Infolge dieser Opposition wird die Angelegenheit nun vor einem Familiengericht entschieden werden.
Bei einer der Personen, die bei der Unterzeichnung der letzten Version von Yuli Ofers Testament zugegen waren, handelte es sich um Eitan Wertheimer, den Vorsitzenden des Iscar-Konzerns und Sohn von Stef Wertheimer. Yuli Ofer hatte, so erklärte Eitan, seine Anwesenheit als Zeuge erbeten. Auch zwei Ärzte waren präsent. «Ich bin zwar kein medizinischer Fachmann», sagte Eitan Wertheimer, «doch Yuli machte mir einen völlig klaren Eindruck und wusste genau was er wollte. Er war voll und ganz bei der Sache.» Wertheimer vermutete, Ofer habe das Testament geändert, weil Doron schon viele Erfolge zu seinen Gunsten verbucht habe, und er wollte, dass auch seine Tochter seinen Fusspuren folgen würde. «Er war auf beide sehr stolz», meinte Wertheimer.