Wahlkampf lässt grüssen
In der jüngsten Ausgabe des SVP-Pressedienst beschreibt Christoph Blocher, wie der Bundesrat «unter dem Druck von Kreisen aus den USA» 500 der 1300 überflüssigen Tonnen der Goldreserven der Nationalbank «einer -Stiftung solidarische Schweiz-» zuführen wolle. Noch schärfer formuliert eine Barbara Steinemann von der Jungen SVP des Kantons Zürich. Der Apfel, der hier nicht weit vom Stamme fiel, schreibt holterdipolter samt Akkusativ-Fehler: «Im Zusammenhang mit den leidigen Auseinandersetzungen mit amerikanischen Kreisen im Gefolge des Zweiten Weltkriegs kam der Bundesrat auf die Idee, einen grossen Teil der Gelder einer zu gründenden \'Stiftung solidarische Schweiz\' zuzuführen. (...) Es ist alles andere als solidarisch mit der Jugend, wenn uns heute einen derart riesigen Schuldenberg hinterlassen und dann vorhandenes Geld einfach so ins Ausland verschenkt wird. Zudem könnten ja die Begünstigten der Stiftungsmittel bald einmal auf die Idee kommen, weitere Gelder von der Schweiz zu verlangen.» Das muss sie selber geschrieben haben. So macchiavellisch ist wohl kein Ghostwriter innerhalb oder ausserhalb des SVP-Generalsekretariats, derartige Schrott-Prosa von sich zu geben, um dem bestellten Votum der Barbara Steinemann den authentischen Geruch der Jugend zu verleihen. Nun, holprige Schreibe hin oder her: Wer genau sind denn die «Begünstigten» in den Augen der Jung-SVP-Frau? Und wieso nur im Ausland? Etwa die Erdbebengeschädigten in der Türkei, wie es einem der Stiftungsziele entsprechen würde? Oder die Hochwasseropfer in der Schweiz (dito)? Natürlich meint weder sie noch Mentor Blocher die eigentlichen, von einer breit abgestützten Kommission formulierten Zwecke (Beispiel: begünstigt sind Organisationen, nicht Einzelpersonen). Die zitierten Formulierungen sind reine Stimmungsmache, und noch dazu feige: Sollen die Damen und Herren der SVP doch bitte den Mut aufbringen, die Juden - denn nur sie sind gemeint - beim Namen zu nennen. Und wenn es noch so falsch ist: Es wäre wenigstens ehrlich.