Wachsende Zuversicht
Augenschein in Aqaba. Vor den Toren der Boomtown Eilat entsteht momentan das dritte Mövenpick-Hotel auf jordanischem Territorium. Eine gigantische Baustelle - direkt am Roten Meer - empfängt die Journalisten aus der Schweiz; überall wird unter brütender Sonne gehämmert, Beton gegossen und ein beeindruckendes Kabelwirrwarr verlegt. Hat man das neue Hotel im Rücken, grüsst von links der Industriehafen von Aqaba, während rechts die stattlichen Hotelkomplexe von Eilat in den Himmel wachsen. «Im kommenden Dezember findet bereits die Eröffnung des neuen Mövenpick-Hotels statt», teilt der selbstsichere Chefingenieur der staunenden Runde während der Baustellenbesichtigung mit. Niemand wagt Zweifel anzubringen, obwohl erst der Rohbau steht und ein Wunder geschehen müsste, damit die Zielvorgabe wirklich erreicht wüede. Der Mövenpick-Komplex ist beeindruckend: 250 Zimmer und Suiten, drei Restaurants, zwei Schwimmbäder, eines davon auf der Verbindungsbrücke zwischen dem Hotel-Hauptgebäude und dem separaten Gebäude mit 66 exklusiven Ferienwohnungen direkt am Sandstrand, mehrere Boutiquen - eine solch umfangreiche Überbauung kann man nicht einfach aus dem Boden stampfen. Am Sitz von Mövenpick Hotels & Resorts in Adliswil rechnet man denn auch mit einer Eröffnung «erst» im kommenden Frühling. Doch der dick aufgetragene Optimismus ist typisch für die Aufbruchstimmung in ganz Jordanien. Nach dem kürzlichen Abschluss der Gespräche über eine dauerhafte Friedensregelung mit Israel ist die Hoffnung noch grösser geworden, dass neben der Politik auch die jordanische Wirtschaft sich positiv entwickelt.
Auch Weltbank bei Investoren
Mövenpick ist rechtzeitig an Ort und Stelle, um sich ein happiges Stück vom Kuchen abzuschneiden, bevor die Konkurrenz zuschlägt. «Allerdings steckt kein einziger Mövenpick-Franken in der ganzen Anlage von Aqaba», präzisiert Robert Fierz, der als Leiter des Vorprojektes amtiert. Mövenpick ist zuständig für das Management und kann so das weltweit erworbene Know-how auch in diesem Wachstumsmarkt anwenden. Gemäss Fierz kommt das Geld vor allem von jordanischen Investoren, und auch die Weltbank beteiligt sich - über ihre Tochter International Finance Corporation - am Hotelneubau an der Corniche Street. Die Investitionssumme liegt bei umgerechnet fast 80 Millionen Schweizer Franken.Vorteilhaft für Mövenpick ist, dass alle drei von ihr gemanagten Hotels der gleichen Besitzergruppe gehören. Die beiden andern Betriebe sind das 1996 in Betrieb genommene Mövenpick-Hotel in Petra (156 Zimmer) sowie das erst dieses Jahr eröffnete Resort (230 Zimmer und Suiten) direkt am Toten Meer. Es ist ein Spa-Resort und verfügt über ein topmodernes Wellness-Center, in dem die gesundheitsfördernden Eigenschaften des Toten Meeres genutzt werden. Es sind viele Erholungssuchende und selbstverständlich die Psoriasis-Kranken, die gerne ans Tote Meer reisen und sich hier kurieren lassen.
Nachts leuchten vom israelischen Ufer die Lichter hinüber - der Grenzübertritt ist recht einfach geworden und verlockt viele Touristen zu einem kurzen Abstecher. «Das Vertrauen in den Friedensprozess wächst, und wir alle wissen, dass dies ein sehr langer Prozess ist, der Geduld auf beiden Seiten braucht und auch temporäre Rückschläge mit einschliesst», meint Robert Fierz, Direktor des Mövenpick-Resorts am Toten Meer.
Beduinensöhne zelebrieren Swissness
Die drei Mövenpick-Hotels wollen in der oberen Mittelklasse führend sein - und einen Touch Schweiz vermitteln. Wie aber kann man in derart abgelegenen Regionen mitten in der endlosen Wüste helvetische Gaumenfreuden herbeizaubern? «Die Mövenpick-Glace wird aus Saudi-Arabien importiert, die Konfitüre und der Kaffee kommen aus der Schweiz», klärt uns Detlef Linder vom Mövenpick Petra auf. Der junge Direktor hat seine Sporen u. a. im Hotel St. Gotthard in Zürich und in andern renommierten Etablissements abverdient - und ist der einzige Schweizer in seinem Betrieb. Damit auch Schweizer Spezialitäten auf den Tisch kommen, erhalten die hier arbeitenden Beduinensöhne die entsprechenden Rezepturen aus der Mövenpick-Zentrale in Adliswil. Die knusprigen Gipfeli und das duftende Brot kommen denn auch direkt aus der hoteleigenen Bäckerei. Auch Robert Fierz arbeitet in «seinem» Hotel am Toten Meer praktisch nur mit Einheimischen. Immerhin ist sein Chefpâtissier Schweizer.Welche Entwicklungsperspektiven ergeben sich für die jordanische Hotellerie? «Die bisherige Bilanz ist für Mövenpick ermutigend», meint dazu der seit 12 Jahren im Mittleren Osten tätige Hotelmanager. «Immerhin werden wir in den drei Mövenpick-Hotels rund 900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigen. Dadurch sind wir zu einem bedeutenden Arbeitgeber geworden. Erfreulich ist, dass die Geschäftsleute Jordanien neu entdecken, seitdem sich die politische Lage entspannt, und auch der internationale Tourismus zieht an.» Die Schweizer haben hier die Nase vorn, führen doch mehrere Reiseorganisationen Jordanien im Angebot.
Reisebüros spüren Auftrieb
Insbesondere Hotelplan setzt auf die jordanische Karte und vor allem auf die Heilkraft des Toten Meeres. Gegenüber der JR meint Verena Haniffa, die bei Hotelplan für die neue Produktelinie Total Vital zuständig ist: «Die Nachfrage nach Jordanien ist in den letzten Tagen spürbar gestiegen. Wir haben ein exklusives und preiswertes Wellness- und Fitnessangebot im Spa-Resort am Toten Meer, das ausgezeichnet ankommt.» Überhaupt sticht im Tourismus momentan die jordanische Karte: Ab kommendem Februar soll es erstmals Crossair-Direktflüge zwischen Zürich und Amman geben - vorausgesetzt, dass weiterhin genügendes Interesse besteht und die politische Lage stabil bleibt.
Drei Neuprojekte
Israel wird in absehbarer Zeit über zwei Mövenpick-Hotels verfügen, beide im Fünf-Sterne-Bereich. Das Hotel in Jerusalem befindet sich bereits im Bau und wird im Jahre 2001 eröffnet, jenes in Ashkelon ein Jahr später. Im ägyptischen Soma Bay entsteht zudem ein Neubau inklusive 18-Loch-Golfplatz, wovon 15 Loch bereits vorhanden sind. Diese Eröffnung ist ebenfalls für 2001 geplant.