Vor neuen Tiefen

August 18, 2011
Weil Israels Premier Netanyahu sich bei den Türken wegen der Marmara-Affäre nicht entschuldigen will, rüstet Ankara sich nun offenbar zum diplomatischen Frontalangriff gegen Jerusalem.

Nachdem Premierminister Binyamin Netanyahu der amerikanischen Aussenministerin Hillary am Telefon erklärt hatte, die Türkei nicht um Entschuldigung wegen der Geschehnisse bei der Enterung der «Mavi Marmara» Ende Mai 2010 zu bitten – die israelischen Soldaten töteten bei der Aktion neun türkische Aktivisten – bereitet Ankara nun offenbar den diplomatisch-juristischen G rossangriff auf Jerusalem vor. Gemäss Vermutungen des israelischen Aussenministeriums gehören dazu vor allem anti-israelischen Kampagnen bei Uno-Institutionen mit einem Schwergewicht auf den Internationalen Gerichtshof. Die Türkei dürfte auch die Familien der Toten ermutigen, bei europäischen Gerichten Klagen gegen prominente Israeli zu erheben, und eine weitere Herabsetzung der Beziehungen zu Jerusalem dürfte auch nicht überraschen. Seit über einem Jahr gibt es keinen türkischen Botschafter mehr in Tel Aviv. Die amtierende Missionschefin verlässt Israel in ein paar Wochen, und es ist noch nicht sicher, ob sie ersetzt werden wird. – Wahrscheinlich am kommenden Dienstag wird der mehrmals zurückgehaltene Uno-Bericht der Palmer-Kommission über die Affäre Marmara veröffentlicht. Weil der Bericht eher zum Vorteil Israels ausgefallen ist, drängte Jerusalem auf dessen Publikation. Das war möglicherweise der Hauptgrund, weshalb Netanyahu sich bei den Türken nicht entschuldigen wollte. [JU]