Vor den Küsten Libyens und Syriens

von Jacques Ungar, September 17, 2009
Israels Naturschutzbehörde führt ein neues Experiment mit Wasserschildkröten durch. Dabei können die Tiere problemlos auf Arabiens Strände zuschwimmen – ein Privileg, welches Israeli in der Regel noch immer verwehrt wird.
SCHILDKRÖTEN AUF WANDERUNG Auf dem Rücken der Tiere werden Minisender angebracht

Sigi in Syrien, Sharon in Libyen, Ashkelon in Ägypten und Haifa – seit vier Monaten vor der Küste von Tunesien vermisst. Nein, es handelt sich nicht um Auszüge aus einem streng vertraulichen Dokument, auf dem der Mossad-Geheimdienst die Einsatzpläne seiner Agenten detailliert beschreibt, auch wenn sich hinter den Namen eine nicht viel weniger abenteuerliche Tätigkeit verbirgt. Vor dem Hintergrund der wachsenden Bedrohung für Meerestiere durch übermässiges, oft illegales Fischen und Jagen, Umweltverschmutzung und Klimaveränderungen, welche das Futtervorkommen der Tiere beeinträchtigen, hat die israelische Naturschutz- und Parkbehörde letztes Jahr ein ambitiöses Programm in Angriff genommen: Auf den Rücken von acht Wasserschildkröten wurden Minisender angebracht, welche die Wanderungen der Tiere genau verfolgen lassen. Die Schildkröte Sigi war an der syrischen Küsten gelandet, Sharon und Cinderella hatten bei Libyen angelegt, Ashkelon in Ägypten und Haifa. Wasserschildkröten pflegen zum Legen und Ausbrüten ihrer Eier stets an den gleichen Ort zurückzukehren, was den Forschern das Verfolgen ihrer «Schützlinge» bedeutend erleichtert. Gegenüber der Zeitung «Yediot Achronot» meinte Yariv Malichi, Ökologe bei der Naturschutzbehörde: «Jede Schildkröte pflegt zwei- bis viermal pro Saison Eier zu legen, und wir wollten herausfinden, ob die Tiere sich in dieser Periode in Ufernähe aufhalten, wandern und wieder zurückkehren, wenn es Zeit ist für sie.» Reisen in arabische Länder, für die meisten Israeli noch immer ein Ding der Unmöglichkeit, das, wenn es doch hin und wieder gelingt, mit Haftstrafen bedroht wird. Für israelische Wasserschildkröten hingegen entwickelt sich das Abenteuer Dank gütiger Mithilfe von Wissenschaftlern zusehends zu einer geförderten Routineangelegenheit.