Von beiden Seiten geächtet
Jüdische Rundschau: Kürzlich haben Sie Ihr Restaurant wieder geöffnet. Wie läuft es?
Miro: Schlecht. Ich habe sehr wenig Gäste und wenig Freunde, die mich besuchen. Diejenigen, die kommen, sprechen mir Mut zu, Gäste würden wieder zurückkommen, es werde alles wieder in Ordnung sein. Aber im Moment hat mein Restaurant keine Arbeit. Ich bin pleite.
Jüdische Rundschau: Betrifft das nur Sie oder das ganze Dorf ?Es ist ähnlich. Mein Einkommen kam von den Juden. Die kommen nicht, also verdiene ich nichts.
Jüdische Rundschau: Was genau geschah am 2. Oktober?
Miro: Ich war im Schock über die Geschehnisse in Faradis. Es war ein jüdischer Feiertag und nur Araber arbeiteten. Mein Restaurant war um die Mittagszeit voller Gäste. Da kamen einige hirnverbrannte Araber aus dem Dorf und schrien den essenden Gästen zu: «Tod den Juden!» und bedrohten sie. Das akzeptiere ich nicht. Die Randalierer brachten auch Religion ins Spiel. Aber meine Religion sagt, dass ich jeden, der in meinem Haus zu Gast ist, verteidigen muss. Ich begann meine Gäste, unter ihnen alte Leute und kleine Kinder, zu verteidigen. Sie assen meine Speisen. Sie zu bedrohen mit Worten wie «Tod den Juden!» ist eine grosse Schande. Einer meiner Freunde, ein arabischer Angestellter, schrie zurück: «Tod den Arabern!» Er war äusserst wütend. Er fühlte die Gäste bedroht und schrie dies den Angreifern ins Gesicht. Und deshalb wendete sich das ganze Dorf Faradis gegen mich und meine Angestellten. Das Dorf boykottiert mich und kauft nicht mehr bei mir ein.
Jüdische Rundschau: Das heisst, Ihr Dorf boykottiert Sie und die Juden tun dasselbe. Wie hoch war der materielle Schaden?
Miro: Ich musste das gesamte Fleisch sowie einen grossen Teil der Getränke wegwerfen. Ich bin Vater von vier Kindern. Ich habe Angst um sie.
Jüdische Rundschau: Vor etwa einem Monat sind Sie im Fernsehen aufgetreten. Im Wochenend-Magazin. Was haben Sie dort gesagt?
Miro: Die jüdischen Journalisten wollten wissen, warum bei mir die israelische Fahne aufgezogen sei. Ich fragte sie: «Sind wir nicht im Staat Israel?» Auf die Frage, warum das Bild von Itzchak Rabin bei mir an der Wand hänge, antwortete ich: «Das war unser Premierminister, habt Ihr das schon vergessen?» Ich wurde gefragt: «Bist du Jude oder Araber?» Ich antwortete, ich sei Araber. Was ist der Unterschied? Ich bin israelischer Bürger. Ich bin nicht Palästinenser, sondern Israeli.
Jüdische Rundschau: Befürchten Sie noch weitere Angriffe auf Ihr Lokal?
Miro: Ich mache mir Sorgen, ich schlafe in den Nächten nicht. Ich sorge mich um mein Geschäft. Das Gerücht geht um, dass ein Anschlag geplant sei. Deswegen schlafe ich manchmal nachmittags ein paar Stunden, um in der Nacht wach zu sein und auf mein Geschäft aufpassen zu können. Meine Familie hilft mir dabei. Die Polizei kann mich nicht rund um die Uhr bewachen. Sie ist absolut in Ordnung, aber sie ist nicht allmächtig.
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Miro, 34, besitzt seit fünf Jahren in Faradis ein orientalisches Restaurant und einen Früchte- und Gemüseladen. Sein Betrieb liegt an der «Alten Strasse» Haifa-Tel Aviv. Er ist verheiratet und hat vier Kinder. Wie üblich, arbeiten Familienangehörige mit. Miro ist sein ganzer Name. Er habe nur diesen einen. In seinem Restaurant hängt ein grosses Bild von Itzchak Rabin, eine Landkarte Israels mit den Grenzen von 1967 und die Worte der Landeshymne «Hatikwa». Miro ist ein begeisterter Israeli.