Vom Traumhaus bis zum Traumpass

von Gisela Blau, June 17, 2010
Die Niederlassung in der Schweiz samt passendem Traumhaus ist ein häufiger Wunsch für Leute mit wirklich viel Geld. Auf diese Klientel haben sich einige Firmen spezialisiert.
TRAUMHAUS Die besten Objekte kommen kaum jemals auf den Markt.

Es gibt viele Gründe, weshalb Menschen in einem anderen Land eine neue Heimat finden wollen. Auf dem höchsten finanziellen Niveau spielen persönliche Sicherheit und geschäftliche Mobilität eine grosse Rolle. Wer «ernsthaftes Geld» («serious money») besitzt, wendet sich dabei gerne an ein Beratungsunternehmen, das keine anderen Aufträge annimmt als Niederlassungs- und Staatsbürgerschaftsplanung mit allem Drum und Dran, inklusive Hauspersonal. Zum Service gehört die Suche nach dem Traumdomizil für Menschen, die in der Regel bereits Stadt- und Landhäuser in ihrer Heimat sowie Ferienvillen in der Karibik und an der Côte d’Azur besitzen. Die Schweiz ist ein sehr beliebtes Ziel als sichere neue Heimat für die Familie.

Rundumservice

Das Traumhaus finden Superreichen bei Robert Ferfecki in Zürich, Direktor der Division Estates bei Henley & Partners. Erst einmal hat er einem Klienten ein Haus vermittelt, das weniger als 10 Millionen Franken kostete; die meisten sind deutlich teurer. Ferfecki ist 1968 als Kind mit seinen Eltern vor den Sowjets aus Prag in die Schweiz geflüchtet. Heute berät er ausser Deutschen, Indern, Amerikanern und Arabern auch Russen und empfindet dies als Ironie des Schicksals. Der Marktetingfachmann hat reiche Erfahrung mit reicher Spezialkundschaft gesammelt. Während seiner Schulzeit arbeitete er für Rock- und Showstars im Auftrag von Konzertagenturen, und 1997 war er der persönliche Assistent von Art Garfunkel während einer Europatournee. Später führte Ferfecki in Zürich das Corporate and Family Office des russischen Investors Viktor Vekselberg.

Ein neuer Pass ist besonders für international tätige Geschäftsleute wichtig, die für jedes Land ein Visum benötigen. Europäer und Amerikaner dagegen können sich mit der Niederlassung begnügen. «Jeder neue Kontakt wird genau abgeklärt, bevor jemand unser Kunde werden kann», betont Robert Ferfecki. Dazu gehört der Lebensentwurf: Wo befindet sich die hauptsächliche Geschäftstätigkeit? Welche Fremdsprachen spricht die Familie? Wo hat sie bereits Freundschaften geschlossen? So empfehlen die Berater vielleicht England als neue Heimat, oder auch Belgien, wo die Erlangung der Staatsbürgerschaft nicht so lange dauert wie anderswo, etwa in der Schweiz. Wichtig ist auch die «Sauberkeit» der potenten potenziellen Klientel – die Auswanderung muss legal in Ordnung, die Steuern müssen bezahlt sein. Zu «Steuer-Optimierung» wird nicht Hand geboten, auch nicht in der Schweiz, wo allerdings ausser hoher Lebensqualität, politischer Stabilität und Rechtssicherheit auch das Bankkundengeheimnis und die Pauschalbesteuerung zum Thema werden, zumal viele Kunden im Moment verunsichert sind, weil sie den Stand der Dinge nicht kennen.

Steuern – kein prioritäres Thema

Steuern sind generell kein prioritäres Thema bei der Niederlassungsplanung in der Schweiz, sagt Ferfecki. Die wirklich reichen Leute haben genügend Geld dafür, und ausserdem sei die Schweiz global gesehen kein Steuerparadies, höchstens verglichen mit einigen anderen Ländern, zum Beispiel Deutschland, woher in letzter Zeit deutlich mehr Kundschaft kommt, die der Komplexität der Steuergesetzgebung in ihrem eigenen Land den Rücken kehren will. Die Pauschalbesteuerung wirkt allerdings attraktiv, trotz des Verbots im Kanton Zürich, und die Klienten nehmen gerne zur Kenntnis, dass ihre Beratungsagentur regelmässig in Kontakt mit den meisten kantonalen Steuerämtern steht, und sie sind beeindruckt, wie höflich deren Chefs einem potenziellen Neuzuzüger begegnen.

Nicht immer wird ein bewohnbares bestehendes Haus erworben, es kann auch eine Altliegenschaft oder ein passendes Grundstück sein. Als Vertreter der Bauherrschaft lässt Robert Ferfecki Häuser bauen oder umbauen. In einem Westschweizer Kurort erwarb ein Kunde ein riesiges Chalet mit mehreren Ferienwohnungen, und Ferfecki baute es zum Einfamilienhaus um. Auf der Kinderetage erhielt jeder der fünf Sprösslinge eine eigene Suite mit Schlafzimmer, Ankleideraum und Bad. Manchmal geht es so weit, dass der neue Besitzer wartet, bis Ferfecki ihm den Schlüssel in die Hand drückt, sobald alles fertig ist, die nötigen Autos in der Tiefgarage und die Hausangestellten stramm stehen (eine Division des Unternehmens beschäftigt sich ausschliesslich mit dem Verwalten von Hauspersonal).

Andere Grössenverhältnisse

Das Traumhaus bleibt kein Traum. Die besten Objekte kommen jedoch kaum jemals auf den Markt; sie werden Ferfecki meist direkt von den Besitzern angeboten. Als Kriterien gelten die Lage und die Grösse. Ausländer sind dabei oft andere als unsere kleinräumigen Dimensionen gewohnt. Ein Teil von Ferfeckis Arbeit besteht darin, die schweizerischen Gegebenheiten diplomatisch zu erklären. Ein indischer Kunde verlangte 3000 Quadratmeter Wohnfläche, begnügte sich dann aber mit etwas Kleinerem. Ein eigener Helikopterlandeplatz ist praktisch unmöglich. Mit viel Geld kann man vieles erreichen, aber nicht alles, schon gar nicht in der Schweiz.