«Vom Nationalsozialismus geschädigt»
Die Kirche wäre selbst «vom Nationalsozialismus geschädigt», zahlreiche Klöster konfisziert und Geistliche verfolgt und hingerichtet worden. Es bestünde also keine Veranlassung, in den Fonds einzuzahlen. Diese reflexartige Verleugnung der gleichzeitigen Partizipation am NS-Regime zu Beginn der Diskussion wurde selbst von Kirchenhistorikern getragen.
Nun werden wöchentlich neue Zahlen und Details über die Rolle der Kirche, ihrer Klöster und Wirtschaftsbetriebe bekannt: die verfolgte Kirche profitierte von der nationalsozialistischen Zwangsarbeiterpolitik. Alleine im Bereich des Bistums Gurk (Kärnten) hat es von Juni 1941 bis Mai 1945 insgesamt mindestens 77 Zwangsarbeiter im Bereich der Stiftung der «heiligen Hemma» - einem bischöflichen Versorgungsbetrieb - gegeben. Bei den Zwangsarbeitern in Gurk handelte es sich um 25 Russen, 23 Polen, 13 Slowenen, zwölf Kroaten und vier Italiener (elf der Zwangsarbeiter waren Frauen). Eingesetzt wurden sie in land- und forstwirtschaftlichen Betrieben. Im Bereich der Grazer Diözese wurde der Name eines zur Zwangsarbeit verpflichteten Ukrainers gefunden.
Insgesamt könnten hunderte, wenn nicht tausende Zwangsarbeiter in kirchlichen Betrieben gearbeitet haben. Zur Klärung der historischen Sachlage hat der Erzbischof von Wien, Kardinal Schönborn, eine Historikerkommission eingesetzt. Auch die - als unabhängige Verwaltungseinheiten agierenden - Klöster und Stifte haben eine professionelle historische Aufarbeitung angekündigt.Pikant ist die Involvierung vor allem deshalb, weil die österreichische katholische Kirche seit den 60er Jahren laufend Entschädigungszahlungen für das von Nationalsozialisten eingezogene - und zum grössten Teil zurückerstattete - Vermögen erhält. Allein für heuer sollen dafür mehr als 60 Millionen Franken aus dem Bundesbudget bezahlt worden sein. Ein kleiner Teil davon könnte heuer in den Entschädigungsfonds für Zwangsarbeiter fliessen.