Vom menschlichen Ersatzherz zu «Heartware»

Von Jacques Ungar, November 19, 2010
Weltweit schlägt heute bei rund 700 Menschen «Heartware» in der Brust, ein künstliches Herz. Seit dem 3. Dezember 1967, als der südafrikanische Chirurg Christiaan Barnard dem Gemüsehändler Louis Wash­kansky ein menschliches Ersatzherz einpflanzte, hat die Kardiologie Lichtjahre hinter sich gebracht, und die Forschung ist noch lange nicht am Ende.
EIN KÜNSTLICHES HERZ Die sogenannte «Heartware» hat einen stolzen Preis von 120 000 Dollar

Wer erinnert sich nicht mehr an die erste Herztransplantation, die der südafrikanische Chirurg Christiaan Barnard (1922–2001) am
3. Dezember 1967 am damals 57-jährigen Gemüsehändler Louis Washkansky vornahm? Der Diabetiker Washkansky, der zudem noch unter einer unheilbaren Herzkrankheit litt, überlebte den Eingriff wegen Lungenkomplikationen zwar nur 18 Tage, doch Barnard und sein 30-köp­figes Team hatten der Transplantationschirurgie mit der neun Stunden dauernden Operation neue Türen aufgemacht und bisher ungekannte Möglichkeiten eröffnet. Den bisherigen Überlebensrekord hält Dirk van Zyl, der ganze 23 Jahre mit dem Herzen lebte, das Barnard ihm 1971 eingesetzt hatte.
Christiaan Barnard ist zwar schon seit neun Jahren tot, doch 43 Jahre nach seiner medizinischen Pionierleistung ist ein Traum, den er schon vor seinem Eingriff an Washkansky geträumt hatte, Wirklichkeit geworden: Weltweit, Israel eingeschlossen, leben heute bereits rund 700 Menschen mit «Heartware», wie das golfballgrosse, 140 Gramm schwere und in den USA entwickelte künstliche Herz genannt wird. Diese kleine Maschine macht die oft langwierige und nicht immer erfolgreiche Suche nach einem menschlichen Ersatzherzen für Transplantationspatienten überflüssig. Allerdings ist «Heartware» mit einem Stückpreis von knapp 120 000 Dollar nicht unbedingt billig (das Einpflanzen eines menschlichen Ersatzorgans ist geringfügig kostengünstiger), und in Israel ist der Verteilschlüssel für die Kosten – Krankenkasse, Krankenhaus und Patient – noch nicht eindeutig ausgetüftelt. In der «Jerusalem Post» weist zudem die Journalistin Judy Siegel auf technische Schwächen des künstlichen Herzens hin, die sich im Laufe der Zeit sicher beheben oder zumindest reduzieren lassen würden: Noch immer muss «Heart­ware» mit einer Batterie betrieben werden, die mit durch den Unterleib führenden Drähten an den Apparat angeschlossen wird. Getragen wird die Batterie, einem Beeper gleich, am Gürtel. Die amerikanische Gesellschaft, die das künstliche Herz herstellt, ist aber, wie Judy Siegel schreibt, der Ideallösung schon sehr nahe. Diese besteht darin, dass das künstliche Herz durch die Brust wieder aufzuladen. Bereits heute kennt man, wie die «Jerusalem Post» schreibt, Fälle, in denen Menschen bis zu drei Jahre problemlos mit «Heartware» leben, bevor technische Reparaturen nötig werden. Schier unerträglich umständlich war das Tragen eines Kunstherzens zu seinen Anfangszeiten, als die Träger an den Rollstuhl gefesselt waren, weil sie ständig eine kühlschrankgrosse Pumpe und eine Stromquelle mit sich herumschleppen mussten.
In Israel stehen auf der Warteliste für Herzempfänger rund 120 Namen, und jedes Jahr erhalten im Durchschnitt nicht mehr als 15 Personen die so dringend benötigte Pumpe. Es steht zu hoffen, dass der vermehrte Einsatz von «Heartware» die Situation merklich entspannen wird.