Vollblut-Journalist
Mit Dan Semama verstarb diese Woche im Alter von nur 61 Jahren einer der profiliertesten israelischen Journalisten. In Tunis geboren, kam Semama in jungen Jahren nach Israel, wo er 1972 seine berufliche Karriere als Polizeireporter für das Fernsehen begann, schon bald aber zur militärischen Berichterstattung wechselte. Auch als Knessetreporter machte er sich einen Namen als geradliniger, unbestechlicher und kompromissloser Medienschaffender. Mitte der achtziger Jahre legte er eine zweijährige Medienpause ein und ging als Emissär des Keren Hajessod nach Grossbritannien. Aufsehen erregte Dan Semama, als er sich 2003 zusammen mit einem anderen israelischen Journalisten nach Irak einschlich und von der ersten Phase des Kriegs berichtete. Er wurde aber von den Amerikanern gefangen genommen und abgeschoben. Semama, der die Liebe zum Metier offenbar von seinem Vater geerbt hatte, der für «Le Monde» schrieb, war zuletzt Chef der Fernsehsendung Mabat gewesen, bis er 2007 wegen einer fortschreitenden Krankheit die Arbeit aufgeben musste. Dem Verfasser dieser Zeilen bleibt der Verstorbene von einer Reise Ende der achtziger Jahre mit dem damaligen Staatspräsidenten Chaim Herzog nach Australien und Ozeanien in bester Erinnerung. Dan Semamas professioneller Eifer galt damals allerdings weniger der Reise des Staatspräsidenten als der journalistischen Jagd nach dem australischen Priester, der dem Atom-Spion Mordechai Vanunu Unterschlupf gewährt und ihn schliesslich ins Christentum aufgenommen hatte. [JU]