Visionär
Der vor 140 Jahren am 7. April 1870 in Mannheim geborene Landauer stammte aus einer mittelständisch jüdischen Kaufmannsfamilie. Schon als Junge zeigte er wenig Neigung zum Organisierten – statt in der Schule zu sitzen, las der Gymnasiast lieber deutsche Klassiker und Philosophen. Nach dem nicht abgeschlossenen Philosophiestudium interessierte sich Landauer früh für alternative Lebensformen und fand sie in der Lebensreform- und Siedlungsbewegung, die ökonomisch, politisch und gesellschaftlich neue Wege des Zusammenlebens und -arbeitens suchte. Mit seinen Ideen beeinflusste er auch die Kibbuz-Bewegung. Nach einem frühen Bruch mit dem Judentum und einem grossen Interesse an der christlichen Mystik begann er sich erneut intensiv mit dem Judentum zu beschäftigten. Gustav Landauer, der für kurze Zeit der Münchner Räterepublik als Beauftragter für Volksaufklärung angehörte, wurde nach deren Niederschlagung 1919 von Freikorpssoldaten ermordet. [TA]