Vielschichtig
Ob Simone Weil hungerte, weil sie magersüchtig war, ob sie aus Solidarität mit den Armen und Unterdrückten zu wenig ass (wie ihre französischen Landsleute während der deutschen Besetzung ihres Landes) oder als Folge heftigster Kopfschmerzen, die sie heimsuchten, seit sie ein junges Mädchen war, ist nach wie vor nicht geklärt. Simone Weil passt in kein Schema: Geboren in eine grossbürgerliche assimilierte Familie in Paris, galt die Aufmerksamkeit der Philosophin der Arbeiterschaft; verschiedentlich arbeitete sie in Fabriken. Ab Mitte der dreissiger Jahre interessierte sie sich zunehmend für den Katholizismus. Ob sie, die sich der Taufe stets verweigert hatte, in ihren letzten Tagen von dieser Position abgerückt ist, ist bis heute umstritten (vor allem aufgrund von Tendenzen der katholischen Kirche, Simone Weil nach ihrem Tod zu vereinnahmen). Die Querdenkerin, die einen ebenso interessanten wie modernen Zugang zur Religion hatte, wäre diesen Mittwoch 100 Jahre alt geworden. [EM]