Verunbildung

von Gabriel H. Cohn, October 9, 2008

Wer die Palästinensischen Medien kennt und mit den neuen Schulbüchern in den autonomen Gebieten vertraut ist, kann sich über den Rosch-Haschana-Aufstand der Palästinenser nicht wundern. Schon seit langer Zeit wird in jeder möglichen (und unmöglichen!) Form Gewaltanwendung gegen Israel gepredigt. Die überaus grosse Friedensbereitschaft Baraks hat diese kriegerische Propaganda in keiner Weise beeinträchtigt.Einige wenige Beispiele aus der letzten Zeit - alle vor dem Sharon-Besuch auf dem Tempelberg - können diese Tendenz leider eindeutig beweisen, wie die Berichte der Palestinian Media Watch bezeugen.
In einer von der Palästinensischen Television übertragenen Freitagpredigt hören wir: «Alle Abkommen mit Israel sind provisorisch» (11. 8. 00), und in einer anderen Predigt: «Palästina, das heilige Land der Moslems, ist unteilbar, ob Haifa, Nablus, Jerusalem oder Nazareth. Es wäre verräterisch, irgendeinen Teil Palästinas aufzugeben» (8. 9. 00).
Solche Freitagpredigten - die in allen Medien verbreitet werden - sind eine unerschöpfliche Quelle von theologisch untermauerten Hass-Tiraden gegen Israels Existenz.
«Oslo ist ein Fuss in der Tür, kein dauerhaftes Friedensabkommen - bis die Revolution ihr 1965-Ziel erreicht hat (ein Palästinenser-Staat vom Jordan bis zum Mittelmeer)», PLO-Kabinettsminister Shahim (zitiert in der AL-Ayam-Zeitung 30. 5. 00). Solche und ähnliche Statements werden von den Kreisen um Arafat immer wieder gemacht.
Und in dem neuen Schulbuch der sechsten Klasse sagt das Titelblatt: «Es besteht keine andere Alternative als Israel zu zerstören.» Auf der Hinterseite steht unter anderem: «Der Jüdische Anspruch auf Palästina ist die grösste der Menschheit bekannte Lüge.» Das Buch ist jenen gewidmet, die «für die Vertreibung des Feindes aus unserem Land kämpfen». Das ganze Buch ist voll von völlig entstellten Darstellung des Nahostkonfliktes.
So lesen wir etwa in diesem Schulbuch «Palästina - unser Land», dass das Argument der Juden, geschichtliche Rechte in Palästina zu haben, unberechtigt ist. «Dies ist ein unwahres und widerlegtes Argument, eine klare Lüge. Die Beziehung der Araber zu Palästina und ihr historisches Recht auf das Land sind klar und ewig. Sie haben seit Beginn der Geschichte dieses Land hier bewohnt, noch bevor es Juden auf der Welt gab» (Seite 8). Der Verfasser versteht die Zerstörung Israels in Palästina gar als gottgewollt: «Vielleicht hat Allah die Juden nur in unser Land gebracht, damit man sie hier liquidieren kann, wie zur Zeit der Kriege mit den Römern» (Seite 6).
Dass die Kinder in der palästinensischen Autonomie aufgrund dieser «historischen Tatsachen» schon von der Schule her gegen jedes Verständnis für die tiefe Beziehung des jüdischen Volkes zum Land Israel erzogen werden, ist der Hoffnung auf ein friedliches Zusammenleben in einer neuen Generation äusserst abträglich.
Die Tatsache, dass die Palästinenser die Geschichte neu - ihren Interessen entsprechend - schreiben, sollte niemanden erstaunen. Arafat selbst betont ja bei jeder Gelegenheit, dass die Juden keinerlei historische Rechte in Jerusalem haben.
Vor einigen Wochen fasste dies auch der Generalsekretär der islamischen Bewegung in klaren Worten zusammen: «Jerusalem war nie die Hauptstadt Israels, und wir werden uns an das halten, was im Koran steht: Das Ende des Zionismus ist nach dem Koran eine Notwendigkeit - es gibt keinen Platz für Israel, ungeachtet der Zeit, die es braucht, bis Israel verschwindet» (Palästinensische Television, 6. 8. 00).
Diese kleine Auswahl an Zitaten spricht leider für sich. Seit 1993, dem Anfang der Oslo-Verhandlungen, sind zwar viele Abkommen geschlossen worden und 95 Prozent der Palästinenser leben unter eigener Regierung - aber zu einem eigentlichen Friedensprozess, der eine neue Generation zu einer friedlichen Co-Existenz erzieht, ist es bisher leider nicht gekommen.
Ganz im Gegenteil. Der äusserst grausame Charakter der palästinensischen Aktionen in der erneuten Welle der Feindseligkeiten ist sicher weitgehend auf diese jahrelang anhaltende anti-israelische Indoktrination zurückzuführen. Es ist völlig unverständlich, warum Israel bisher auf die Einhaltung jener Paragraphen des Oslo-Abkommens, die die Verbreitung jedes «Hetz»-Materials verbietet, verzichtet hat. Ganz sicher aber ist, dass von nun an unbedingt dafür zu sorgen ist, dass der palästinensische Verhandlungspartner sich in wahrer Weise zur Schaffung einer wirklichen Friedens-Atmosphäre verpflichtet, ohne die ja ein Friedensabkommen unmöglich ist.