«Vertieftes Verständnis»

von Peter Abelin, December 10, 2009
Nach mehreren Rückschlägen hat die Synode der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn in erster Lesung einer Revision der Kirchenordnung zugestimmt, in welcher die Verbundenheit mit dem Judentum verankert wird.
REFORMIERTE KIRCHEN BERN-JURA-SOLOTHURN Verbundenheit mit dem Judentum in Kirchenordnung verankert

Als «erste umfassende Standortbestimmung einer schweizerischen Kantonalkirche zum Dialog und zur Begegnung der Religionen» lobt die Berner Kirchenregierung ihre fast 40-seitige Standortbestimmung, welche der Synode – dem Kirchenparlament – als Grundlagendokument vorgelegt wurde. Das «eigentliche Herzstück» der nun in erster Lesung gutgeheissenen Revision der Kirchenverfassung regelt die Beziehung zum Judentum. Die Kirche sei «unverzichtbar historisch verbunden und biblisch verwiesen auf das Judentum, mit dem sie wesentliche gemeinsame Wurzeln teilt», heisst es im neuen Artikel 154a. Sie setze sich daher ein «für ein vertieftes Verständnis dieser Beziehung» und trete antijudaistischen Vorurteilen in Kirche und Gesellschaft «entschieden entgegen». Im Grundsatzdokument ist darüber hinaus die Rede von einer «kirchenpolitischen Neuorientierung» und einem «theologischen Aufbruch». Ausdrücklich wird der Judenmission eine Absage erteilt: Das Verhältnis zum Judentum sei «als eine ökumenische Frage zu begreifen»; deshalb sei «nicht von einer Mission, sondern allein von einem Dialog» zu reden. In einer Anmerkung zum Thema «die christlich-jüdischen Beziehungen und der Staat Israel» wird betont, es sei «sorgfältig darauf zu achten, dass theologische und politische Ebenen nicht verwechselt werden».

Wenn die Ergänzung der Kirchenordnung an der Sommersynode 2010 in zweiter Lesung definitiv beschlossen wird, nimmt ein jahrelanges Ringen mit zahlreichen Rückschlägen ein Ende. Als vor vier Jahren ein bereits mehrfach abgeänderter Kompromissvorschlag im Kirchenparlament scheiterte, zeigte sich die Christlich-Jüdische Arbeitsgemeinschaft (CJA) Bern «konsterniert». Vor und hinter den Kulissen setzten sich namentlich die früheren CJA-Präsidenten Hans-Rudolf Helbling und Christoph Jungen weiter für eine Lösung ein, die sich dann an einer speziellen Gesprächssynode im April 2008 erstmals konkret abzeichnete (tachles berichtete).