Verpasst
Elend ist das Leben in Gaza, chancenlos. Bildung ist zum Beispiel der Versuch, am Strand verstreute Knochen zu einem Ganzen zusammenzusetzen und sie in einem Zoo, oder was davon übrig ist, auszustellen. Der Genfer Filmemacher Nicolas Wadimoff verzichtet in «Aisheen – Still Alive in Gaza» auf grosse Worte von Politikern. Er richtet die Kamera auf die Menschen und macht sicht- und spürbar, wie sie sich dem Elend nicht ergeben und dagegen angehen wollen. Etwa die jungen Männer, die Rap-Musik komponieren, oder Nachbarn einer Schule, die sich jeweils bei Bombenalarm als Clowns verkleiden, um die verängstigten Schülerinnen und Schüler abzulenken. Wadimoff präsentierte 1997 mit «Clandestins» einen hervorragenden Spielfilm. Aber mit «Aisheen» scheint der Filmemacher der Faszination des Elends zu erliegen. Dass Interviewte den Feind Israel als Ursache der Misere anklagen, ist durchaus legitim. Für die Position des Filmemachers aber gelten andere Regeln; äusserst bedauerlich ist darum, dass Wadimoff bei aller berechtigten Kritik an Israel eine einseitige Dokumentation vorlegt und so die Fronten eher verhärtet, statt sie aufzuweichen. [VB]
Kinostart am 9. Dezember.