«Vergangenheit darf sich nicht wiederholen»
Viele von Hitlers Anhängern, unter ihnen so prominente wie Adolf Eichmann und Dr. Josef Mengele, fanden nach dem Weltkrieg Zuflucht in Argentinien. «Ich möchte im Namen des Landes um Entschuldigung bitten», sagte Präsident de la Rua, «für die Nazis, die bei uns untergeschlüpft sind. In der heutigen Zeit muss man, so denke ich, die Vergangenheit unter die Lupe nehmen, damit sie sich nicht wiederholen kann.» Der Präsident besuchte das Holocaust-Museum mit seiner Gattin und seiner ganzen Gefolgschaft, zu der argentinisch-jüdische Persönlichkeiten und Holocaust-Überlebende zählten, ebenso wie Minister, Offizielle und Geschäftsleute. «Die Erinnerung an die Toten», meinte de la Rua sichtlich beeindruckt nach dem Besuch des Museums, «wird Leben garantieren. Sie Stärkung der Erinnerung an den Holocaust wird uns erlauben, der Gerechtigkeit zum Durchbruch zu verhelfen und zu verhindern, dass solche Schrecken sich wiederholen.» Elan Steinberg, Exekutivdirektor des Jüdischen Weltkongresses, begrüsst die Äusserungen des argentinischen Präsidenten. «Wichtig in diesem Falle ist, dass Argentinien, wie andere Länder im Übrigen auch, sich nicht wegen der Klärung irgendwelcher Schuldfragen mit seiner Vergangenheit befassen muss, sondern weil es eine historische Verantwortung besitzt.» - Daniel Mariaschin, Exekutiv-Vizepräsident des Bnai Brith, begrüsste nach seinem Treffen mit de la Rua seine Bitte um Entschuldigung namens des argentinischen Volkes. Der Präsident bedauerte auch, dass Argentinien nicht genug unternommen habe, um Juden bei ihrer Flucht aus dem kriegszerrissenen Europa zu helfen. Gleichzeitig erinnerte er aber auch an den Einsatz verschiedener argentinischer Diplomaten, die Flüchtlinge mit Visa ausstatteten. Seit seinem Amtsantritt hat de la Rua Holocaust-Überlebenden gegenüber zahlreiche Gesten gemacht. Bei seiner ersten Auslandsreise als Präsident hatte er sich zu einer internationalen Holocaust-Veranstaltung nach Stockholm begeben, und kürzlich verlieh er während eines Essens einer Gruppe von Holocaust-Überlebenden besondere Medaillen. Während seines viertägigen Aufenthaltes in den USA besprach er mit Präsident Clinton die Möglichkeit von Investitionen in Argentinien, und während seine Treffens mit jüdischen Gemeindepersönlichkeiten gab er bekannt, er werde fortfahren, die Arbeit der von seinem Vorgänger Carlos Menem eingesetzten Sonderkommission zur Untersuchung des Einflusses des Nazismus auf die argentinische Gesellschaft zu finanzieren.
JTA