Uzi Landau zur aktuellen Lage in Israel

Von Fabio Luks, February 4, 2011
Der Keren Hajessod organisierte am Donnerstag vor einer Woche im Antikenmuseum Basel einen Anlass, um seinen Spendern die Wichtigkeit des schweizerischen Engagements für Israel aufzuzeigen. Im selben Rahmen fand ein Gespräch zwischen dem israelischen Minister für Nationale Infrastruktur Uzi Landau und dem Nahostexperten Pierre Heumann statt.
IM GESPRÄCH Uzi Landau (l.) und Pierre Heumann im KH-Talk

Nach einer Führung durch die Sonderausstellung «Ausgegraben» über die griechische Stadt Eretria in antiken Zeiten und einem Apéro riche vom Restaurant Topas kam es in den Ausstellungsräumlichkeiten des Antikenmuseums Basel zum eigentlichen Anlass von Keren Hajessod (KH). Patrick Loeb, Präsident des KH Basel, eröffnete den Abend und wies schon ein erstes Mal darauf hin, dass die Spenden ins «andere Israel» abseits des Hightech-Booms flössen. Es gelte, das Auseinanderklaffen der Schere zwischen Arm und Reich zu stoppen. Auch der Präsident des KH, Sami Bollag (vgl. tachles 3/11), erwähnte in seiner Ansprache, dass es in Israel trotz steigendem Bruttoinlandprodukt viel Armut gebe. Doch seien Geldspenden längst nicht mehr der einzige Weg, um sich für Israels Prosperität einzusetzen. Dabei verwies er auf das Projekt P2K (vgl. Kasten), die Partnerschaft 2000 zwischen der Schweiz und Rehovot, bei welcher Beziehungen der Schweiz mit der Bevölkerung in Rehovot geknüpft werden und Freiwillige vor Ort zum Einsatz kommen. Ein jüngstes Beispiel für diesen Austausch ist das Kefiada-Jugendprojekt, eine Partnerschaft der Primarschulen Sarid und Noam (Zürich). Ein musikalisches
Intermezzo von Ester Rad und Liron Lev leitete zum KH-Talk über.
Der langjährige Nahostkorrespondent Pierre Heumann, Redaktor der «Weltwoche», der auch für die «Basler Zeitung» schrieb, befragte Uzi Landau zur gegenwärtigen Lage in Israel, zu den Aufständen im Mittleren Osten und möglichen Zukunftsszenarien. Doch zuerst ging es um den aufsehenerregenden Gasfund vor der Küste von Haifa. Das Feld, welches «Levia­than» genannt wurde, könnte den Energiebedarf Israels für die nächsten 100 Jahre stillen und das Land zugleich zu einem wichtigen Gas-Exporteur im Mittleren Osten machen. Schon lange, so Uzi Landau, wunderten sich die Juden, weshalb Moses sie in ein Land gebracht habe, wo es keine Energie gibt, weder Gas noch Öl oder Wasser. Letzteres war denn ein weiterer Gesprächspunkt, wobei Landau die hoch entwickelten Meerwasserentsalzungsanlagen pries, mit denen Israel dem steigenden Trinkwasserbedarf nachkommen will. Die Lage im Mittleren Osten, den Regierungssturz in Tunesien, die Aufstände in Ägypten und Jemen, verglich Landau mit einem Leben auf der Spitze eines Vulkans: Jederzeit könne es zu Ausbrüchen kommen. Dabei sei zu hoffen, dass keine fundamentalistischen Kräfte, wie die Muslim-Bruderschaft in Ägypten an die Macht kämen.
Israel sei der letzte Fels der Demokratie in dieser Region, umzingelt von Ländern, welche Frauen steinigten und auf Demonstranten schössen. Die Zukunftsaussichten Israels sind nach Landaus Einschätzungen ambivalent. Einerseits versprächen Gasfunde, Wassergewinnung und die sich stark entwickelnde Hightech-Industrie wirtschaftlichen Erfolg, andererseits würden die Unruhen in den umliegenden Ländern, Irans Atomanlagen und Amerikas zunehmender Machtverlust auf dem internationalen Parkett nichts Gutes verheissen. Auf die Schlussfrage von Pierre Heumann, weshalb Israel von Spenden abhänge, antwortete Landau: «Israel hängt nicht von Spenden von aussen ab, aber von den Beziehungen mit den Juden in der Diaspora. Eine Regierung kann nie effizient genug sein, weshalb eine Organisation wie KH immer Orte im Land finden wird, die unterentwickelt und somit ausbaufähig sind.»