Unpolitischer Nationalfonds?

Von Valerie Wendenburg , February 10, 2011
Das Beduinendorf al-Arakib in der Wüste Negev ist am Samstag zum zwölften Mal von der israelischen Lands Administration zerstört worden. Der Jüdische Nationalfonds Keren Kayemeth Leisrael, der in dem Gebiet Aufforstungsprojekte betreibt, weist jegliche Verantwortung von sich.

In einer Stellungnahme nimmt der Keren Kayemeth Leisrael (KKL) nun Bezug auf die Vorwürfe der Stimme für einen gerechten Frieden zwischen Israel und Palästina, er sei an der Zerstörung des Dorfes al-Arakib mit beteiligt. Mit klaren Worten widerlegt der Jüdische Nationalfonds diese Behauptung, die auch von Aktivisten oder Rabbiner Arik Ascherman aufgestellt wird (vgl. tachles 5/11). Der Geschäftsführer des KKL Schweiz und Delegierter des KKL Israel, Yariv Sultan, betonte gegenüber tachles: «Der KKL hat mit dem Streit zwischen dem Staat Israel und den Beduinen nichts zu tun. Wir stehen in keinerlei Zusammenhang mit der Siedlungspolitik der Beduinen oder dem Abriss des Dorfes durch die Regierung.» Ferner habe das israelische Gericht im Fall al-Arakib ein Urteil gegen den Standpunkt der Beduinen gefällt – die Umsetzung dieses Gerichtsurteils aber unterliege allein dem Staat, so Sultan. Die Gerichtsdokumente liegen tachles vor.

Moralisch bedenklich

Die Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden zwischen Israel und Palästina gibt sich mit der Aussage des KKL, die Klagen der Beduinen seien nach sorgfältiger Prüfung von israelischen Gerichten abgewiesen worden, nicht zufrieden. In einem zweiten offenen Brief an den KKL heisst es, der Nationalfonds impliziere damit, «das Vorgehen des Staates Israel, der Israel Lands Administration und des KKL sei rechtlich unbedenklich». Dies sei aber falsch. Denn auch bei rechtlich klarer Lage würde das Vertreiben von Menschen aus ihren Häusern ein moralisches Unrecht darstellen.

Unpolitischer KKL

Zur aktuellen Situation des zerstörten Bediunendorfs al-Arakib und dem Schicksal seiner Bewohner sagt Sultan gegenüber tachles, der KKL befasse sich ausschliesslich mit Aufforstungs- und Umweltprojekten, nicht jedoch mit politischen Fragen. In der Stellungnahme des KKL heisst es weiter: «Israel ist eine funktionierende Demokratie. Wir sind stolz darauf, dass alle Bürger – in diesem Fall die Beduinen – ihre Anliegen einem Gericht vorlegen können.» Zudem bepflanze der KKL keine Flächen, um die Beduinen von ihrer dortigen Ansiedlung fernzuhalten: «Der KKL schafft durch seine Aufforstung neuen Lebensraum in der Wüste für alle Einwohner Israels», so Sultan. Aus Sicht der vertriebenen Beduinen mag dies zurzeit anders aussehen – und auch die Stimme für einen gerechten Frieden zwischen Israel und Palästina wie auch Aktivisten vor Ort werden sich mit diesen Aussagen wohl nicht zufriedengeben.