Unkonventionell und risikofreudig

Von Gisela Blau, June 1, 2011

Man war unter sich im Zunfthaus zur Schneidern in Zürich. Die meisten der rund 60 Anwesenden der jüngsten Veranstaltung der Handelskammer Schweiz-Israel waren Banker, flankiert von Rechtsanwälten und einigen Versicherungsspezialisten. Es waren wenige Frauen sichtbar, aber eine von ihnen, Inbal Faibish, eine Steuer-Anwältin, wurde an der Generalversammlung mit grösster Einigkeit in den Vorstand gewählt. Auch Bruno Bräm von den Zürich-Versicherungen mit Spezialgebiet Israel schaffte einstimmig den Einstand in dieses Gremium. Die Versammlung nahm unter Varia den Antrag des Vorstands an, dass künftig für die Veranstaltungen ein Unkosten-Beitrag von 20 bis 30 Franken erhoben werden soll. Präsident Armin Zucker konnte erfreut feststellen, dass der geschäftliche Teil nur rekordverdächtige 15 Minuten benötigt hatte.

Kluge Fragen und Antworten

Nun übernahm Robert Kalisch von der Bank Sal. Oppenheim die Moderation eines Podiums, an dem sich Ralf Helbling, Executive Director der Bank Julius Bär, Bernard Wajs, Head Israel Desk der RSB Coutts Bank, und Ilan Wurmser, Head Israel Desk der Bank Hapoalim Switzerland, beteiligten. Auf kluge Fragen gab es kluge, interessante Antworten. Einleitend stellte Kalisch fest, dass sich Israel von einem Entwicklungsland zu einer Start-up-Nation an der absoluten Spitze der Rangliste entwickelt habe. Im kleinen Israel gebe es 17 Milliardäre, einen mehr als im grossen Frankreich, und der Schekel erweise sich als eine starke Währung, die auch von Investoren geschätzt werde. Gibt es gemeinsame Merkmale bei israelischen Bankkunden? Ilan Wurmser beschrieb sie als nonkonformistisch und unkonventionell, auch bei den Investitionen. Bernard Wajs bestätigte, dass es einen Generationenwechsel gegeben habe. Hätten die Älteren noch «Geld in der Schweiz gehortet», sei die jüngere Klientel zwar noch immer auf Sicherheit bedacht, aber aus anderen Gründen. Auch Ralf Helbling stellte fest, dass die jüngere Kundschaft nach Sicherheit wie Kapitalschutz frage, aber auch einen kürzeren Anlagehorizont habe als ältere Kunden. Das gemeinsame Fazit lautete, dass israelische Bankkundschaft Appetit auf grössere Risiken verspüre und auch komplexere Produkte verlange. Über den Preis werde hart verhandelt, denn der Schweizer Service sei teurer als der zu Hause.

Schweizer Vorsprung

Der Schweizer Finanzplatz sei trotz aller Turbulenzen noch immer sehr attraktiv, fanden die Spezialisten auf dem Podium, weil politische Stabilität, die kaum unterschiedliche Uhrzeit sowie Verlässlichkeit und gute Dienste der leicht erreichbaren Banker geschätzt werden. Helbling: «Auf dem Bankenplatz London machen sie jetzt die Fehler, die wir vor zehn oder 15 Jahren machten. Wir haben einen Vorsprung.» Auch gegenüber den aufstrebenden Finanzplätzen in Asien besitze die Schweiz noch hohe Anziehungskraft. Ein gewisser «Herdentrieb» komme der Schweiz entgegen: Die Israeli diskutierten untereinander über Anlagen und wollten häufig die gleichen wie ihre Freunde. Bei israelischer Kundschaft sind ausser Aktien auch Metalle wie Gold und Silber sehr beliebt. Als Leitwährung gilt nach wie vor der Dollar, auch wenn couragierte Investitionen etwa in die brasilianische oder türkische Währung keine Seltenheit seien.
Steuerflucht sei generell kein Thema, meinten die vier Banker. Israel gibt nicht gerne Auskunft, kennt aber auch keine Steueramnestie. Bald einmal dürfte es jedoch etwas in diese Richtung geben. Eine Steuerreform vor einigen Jahren brachte viele Superreiche nach Israel, aber ihre Vermögen blieben teilweise in den Heimatländern zurück, und diese wollen verwaltet sein. Israeli, so wurde festgestellt, investieren äusserst gerne in Schweizer Immobilien; sie befinden sich damit an fünfter Stelle aller Immobilieninvestoren. Ein halbes Dutzend israelische Maklerfirmen hat sich hier niedergelassen. Zu diesem Thema soll es im Herbst eine nächste Veranstaltung der Handelskammer Schweiz-Israel geben.