Undurchsichtige Geschäfte in Millionenhöhe

April 18, 2008
Hat sich der Milliardär Arkadi Gaydamak, der in der Politik des jüdischen Staates gerne eine führende Rolle spielen möchte, 365 Millionen Dollar angeeignet, die der Staat Angola Russland zurückzahlen wollte? Eine von zwei ausländischen Verwaltungsgesellschaften bei einem Jerusalemer Gericht vorgebrachte Klage behauptet dies.
<strong>In Erkl&auml;rungsnot </strong>Der Milliard&auml;r Arkadi Gaydamak soll sich 365 Millionen Dollar angeeignet haben

Arkadi Gaydamak hat 365 Millionen Dollar an Geldern der angolanischen Regierung auf seine privaten Bankkonti transferiert. Das behauptet eine Klage, die letzte Woche laut einem Bericht des TV-Kanals 10 vor dem Jerusalemer Distriktsgericht eingebracht worden ist. Das Geld mist laut Klage dazu bestimmt gewesen, Schulden Angolas an die ehemalige Sowjetunion zurückzuzahlen.

Die beiden Klägerinnen sind Premium Investment Management und Global Alpha Star, zwei auf den Jungferninseln registrierte Verwaltungsgesellschaften. Die beiden Gesellschaften behaupten, in den Jahren 2001 bis 2005 zwei von Gaydamak errichtete Offshore Investitionsfonds verwaltet zu haben, damit «niemand weiss, dass das Geld ihm gehört». Ferner machen die Klägerinnen geltend, Gaydamak beziehungsweise seine Fonds hätten während der zur Diskussion stehenden Zeitperiode ihre Verwaltungs- und andere Gebühren nie bezahlt. Die beiden Firmen verlangen nun, diese Schulden zu Gaydamaks persönlicher Verpflichtung zu deklarieren.

Bankkonti in aller Welt

Hintergrund der Klage ist, dass Gaydamak 1995 einen Deal ausgearbeitet hatte im Bestreben, die Schulden Angolas gegenüber der ehemaligen Sowjetunion von 6,4 auf nur 1,5 Milliarden Dollar zu reduzieren. Die Rückzahlung war in 31 Teilzahlungsraten von je 48 Millionen Dollar gestückelt. Für jede dieser Raten wurde ein Schuldbrief erstellt. Gemäss der Anklageschrift hat Gaydamak dann eine Gesellschaft gegründet, welche die Briefe von der russischen Regierung gegen einen Einschlag von 50 Prozent kaufte. Die Schuldenzahlungen hätten auf ein Konto bei der UBS in Genf getätigt werden sollen, und die Schuldbriefe hätten nur gegen Barzahlung ausgehändigt werden dürfen.

Es wird nun behauptet, Gaydamak habe 15 der Briefe mit Geldern bezahlt, die von Investoren mobilisiert worden seien. Um die restlichen Schuldbriefe zu tilgen, ersuchte Gaydamak den Präsidenten von Angola, die Summe von 618 Millionen Dollar auf ein Bankkonto auf Zypern zu transferieren. Der Präsident überwies die Summe tatsächlich, doch laut Klage habe Gaydamak nur acht der Schuldbriefe ausgelöst und die Hälfte des Geldes für sich behalten. Aus diesem Grund habe sich Angola, wie die Klägerinnen behaupten, geweigert, Gaydamaks diplomatischen Reisepass zu erneuern.

Als nächstes habe Gaydamak laut Anklage das Geld auf verschiedene Bankkonti in aller Welt verteilt. Auch sein Tel Aviver Anwalt Amnon Zichroni habe eine Tranche erhalten. Innert vier Jahren sollen die 365 Millionen auf über 1,2 Milliarden Dollar angewachsen sein. Eingeschlossen sind hier Gelder, die in Luxemburg im Namen der beiden Fonds Premium und Global deponiert worden sind. Laut Anklage haben Gaydamaks Repräsentanten im Februar 2004 verlangt, alle seine Aktiva in den beiden Fonds zu liquidieren und das Geld an eine Treuhandgesellschaft der Bank Hapoalim zu überweisen, die – auch dies eine Behauptung der Anklage – jenen Kunden Dienstleistungen offerieren, die ihre Aktiva anonym im Namen der Treuhandgesellschaft der Bank zu halten wünschen.

Unterstützung von der Bank Hapoalim?

Die Anklage behauptet erstens, die Treuhandgesellschaft habe Gaydamak geholfen, vor den luxemburgischen Behörden zu verbergen, dass das Geld ihm gehöre, und zweitens, dass die Gesellschaft über die Identität des effektiven Besitzers des Geldes informiert war. Im Rahmen einer polizeilichen Untersuchung gegen Gaydamak unterbreitete das israelische Justizministerium im November 2004 der luxemburgischen Bank Forderungen, die Gelder zu beschlagnahmen. Wiederum gemäss Anklageschrift habe die israelischen Zentralbank berichtet, Beamte der Bank Hapoalim hätten Gaydamak geholfen, seine Aktiva zu verbergen und sie ins Ausland zu bringen, wo sie dem Zugriff der israelischen Behörden entzogen worden waren.

Zu jener Zeit soll Gaydamak einer der grössten Kunden der Bank gewesen sein. Gaydamaks Antwort: «Ich war zur beidseitigen Zufriedenheit ein zentraler Partner bei der Regelung der Schulden Angolas gegenüber Russland». Laut Gaydamak soll es sich bei den Geldern um die Profite gehandelt haben, die er bei dem Deal gemacht habe, und die Luxemburger Bank habe vor drei Jahren eingewilligt, das Geld freizugeben. Gaydamak bezeichnet es zudem als unzutreffend, dass Angola sich weigere, seinen Pass zu erneuern. Seiner Darstellung zufolge sei in die Geschichte ein betrügerischer Bankbeamter verwickelt, der ihn seit Jahren verfolgen würde.

Nurit Roth