Tief im Judentum verwurzelt
Das Einstehen des republikanischen Juden Fleischer für einen demokratischen (ebenfalls jüdischen) Opponenten darf aber nicht falsch interpretiert werden. Ari Fleischer (40) ist sehr politisch veranlagt, und die Religion spielt dabei meistens die zweite Geige. «Ich glaube tief an meine Religion», sagt er, «und ich glaube an die Grundsätze meiner Partei. Die beiden Dinge geraten sich nie ins Gehege.»
Fleischer, der Sohn eines demokratisch eingestellten New Yorker Ehepaars, arbeitete zwei Jahrzehnte auf dem Kapitol als ein Sprecher der Republikanischen Partei. Ende Januar wird er sein Amt als Pressesprecher des Weissen Hauses antreten. Fleischer, der als «relativ praktizierender, im Wesentlichen der Reform zuneigender» Jude definiert wird, sieht seine Rolle im Regierungsapparat durch die jüdische Ethik bestimmt. «Die jüdische Religion», sagt er, «lehrt Menschen, Verantwortung zu übernehmen, offen eingestellt zu sein und sich um andere zu kümmern. Ich hoffe, diese Prinzipien werden zum Tragen kommen, wenn ich meinen Job antrete.»
Einer der wenigen Juden in der neuen Administration
Während in Clintons Kabinett und im Weissen Haus Juden sehr stark vertreten waren, wird Fleischer in der Administration Bush einer der wenigen Menschen jüdischen Glaubens sein. Vielleicht gelangt hier die Tatsache zum Ausdruck, dass der neue US-Präsident weniger als 20% der jüdischen Stimmen erhalten hat. Zu den wenigen weiteren jüdischen Personen im Weissen Haus gehört auch Josh Bolten, den Bush zum Vize-Generalstab für Politik machen will. Ein zusätzlicher Kandidat ist Bush-Berater Stephen Goldsmith, der ehemalige Bürgermeister von Indianapolis.Fleischer bekundet keine Mühe mit seinem Status als Vertreter einer Minderheit, musste er sich zu Hause doch schon gegen eine demokratische Mehrheit durchsetzen. Trotz der Rolle des Sohnes in der Bush-Kampagne haben Fleischers Eltern für Al Gore gestimmt. «Meine Mutter», erinnert der frischgebackene Pressesprecher sich, «hat mir erst telefoniert und zum Wahlsieg gratuliert, als Al Gore die Niederlage eingestanden hatte.» Trotz des Konkurrenzverhältnisses hat die Ernennung Liebermans zum demokratischen Vize-Kandidaten ihn «als Juden mit grossem Stolz erfüllt». In dieser Entwicklung habe sich die «Stärke unseres Landes» widerspiegelt.
Fleischers Rebellion gegen seine politische Erziehung begann in den späten 70er-Jahren im Middlebury College in Vermont, als er feststellte, dass er mit den Ansichten Ronald Reagans eher übereinstimmte als mit jenen Jimmy Carters. Nach dem Studienabschluss wurde er Sprecher für einen Republikaner, der sich in New York um einen Platz im Kongress bewarb. Anschliessend ging er nach Washington.
Mission der Presse
Den Umgang mit der Presse des Weissen Hauses kennt er bereits von seiner Zeit als Sprecher des ehemaligen Senators Pete Domenici und einer Kommission. Auf seine Aufgabe als Pressesprecher freut Fleischer sich, denn er spielt, wie er sagt, eine (zugegebenermassen kleine) Rolle bei der Umsetzung der Politik in die Tat. Ihm sei klar, fügte er hinzu, dass er zwei Herren zu dienen habe - dem Präsidenten und den Medien. «Diesen Job kann man nur erfolgreich versehen, wenn man an die Mission der Presse glaubt», sagt Ari Fleischer, der im Übrigen entschlossen ist, seine Umgebung auch in seriösen Umständen und Situationen mit seinem Humor und Frohsinn zu überzeugen.
JTA