Teheran macht unbeirrt weiter
Der israelische Lenkungsausschuss für Waffenkontrolle trat kürzlich unter der Leitung von Generalmajor (Res.) Gideon Shefer, dem amtierenden Vorsitzenden des Nationalen Sicherheitsrates, zusammen, um sich mit dem iranischen Raketenprogramm zu befassen. Dem Ausschuss gehören Vertreter der Geheimdienste, der Armee, der Ministerien für Äusseres und Verteidigung, der Assistent des Verteidigungsministers für Sonderaufgaben, der Atomenergie-Kommission und der mit der Entwicklung des anti-ballistischen «Arrow»-Systems befassten Abteilungen der Rüstungsindustrie an. Im Verlaufe der Diskussion präsentierten Vertreter der militärischen Abwehr ihre Vermutung, wonach Iran sich seinem Ziel, einsatzbereite Langstreckenraketen zu produzieren, rasch nähere. Wenn auch die Einsatzbereitschaft westliches Niveau noch nicht erreicht - es kann nicht von einer Serienproduktion gesprochen werden -, ist es wichtig für Teheran, dass seine Feinde wissen, dass es die Kapazität besitzt. Kreise der militärischen Abwehr unterstreichen, dass die Bedeutung des zweiten Shihab-3-Testes strategischer und nicht taktischer oder operationeller Natur sei. Vermutlich wird Iran in fünf Jahren die Rakete mit einem nuklearen Sprengkopf bestücken können. Aber die ballistischen Raketen werden Teheran einen Status verleihen, der mit jenen Pakistans, Iraks oder Israels vergleichbar ist. Russland verfolgt laut Angaben israelischer Militärkreise eine Politik der Hilfleistung an Iran, wobei die treibende Kraft hier der Minister für Atomenergie, Evgeny Adamov, ist. Die russische Hilfe erstreckt sich auch auf den Sektor der Nuklearenergie. Zu den heiklen Themen, welche der Lenkungsausschus diskutierte, gehört die Bewahrung des Gleichgewichts zwischen der Betonung der Gefahren, die Israel aus der Entwicklung des iranischen Raketenprogramms erwachsen können (im Bestreben, grössere US-Unterstützung zu erhalten), und der Möglichkeit des Ausbruchs einer Panik unter der Bevölkerung. Die Notwendigkeit für eine engere Kooperation zwischen den USA und Israel hat viele hohe IDF-Offiziere veranlasst, die befürwortende Position der israelischen Verteidigungsindustrie hinsichtlich des Verkaufs von «Phalcon»-Aufklärungsflugzeugen an China zu kritisieren. Die USA lehnen den Deal vehement ab, und der Disput hat die Stimmung zwischen Israel und dem US-Kongress auf präzedenzlose Weise getrübt. Nach Vermutungen des US-Geheimdienstes CIA, die dem Kongress vorgelegt worden sind, strebt Iran die Herstellung einer Shihab 4 oder 5 an, einer mit einem nicht konventionellen Sprengkopf ausgerüsteten interkontinentalen ballistischen Rakete, die in etwa 10 Jahren die USA treffen könnte. Der erste Test der Shihab 3 hat gemäss CIA Iran bereits eine gewisse Betriebs-Kapazität verliehen, was so viel heisst, dass Teheran den Prototyp der Rakete einsetzen kann.
Haaretz