Tausende protestierten gegen Frauen-Diskriminierung

December 28, 2011
Livni: Koalitionsabkommen mit den ultrareligiösen Parteien neu überdenken.
Über zehntausend Menschen demonstrierten laut den Organisatoren gegen religiösen Extremismus in Israel

Relativ ruhig verlief am Dienstagabend eine Kundgebung in der westlich von Jerusalem gelegenen Stadt Beit Shemesh, an der tausende von säkularen, aber auch religiösen und sogar ultra-orthodoxen Israeli teilnahmen. Sie demonstrierten gegen die diskriminierende Gewalt, die die extreme religiöse (charedische) Fanatiker mit der Billigung ihrer Rabbiner in zunehmendem Masse gegen Frauen in Beit Shemesh, aber auch in anderen Orten des Landes anwendet, die sich dem charedischen Diktat einer rigorosen Geschlechtertrennung an öffentlichen Stätten nicht unterziehen wollen. Oppositionschefin Tzippi Livni (Kadima) rief Regierungschef Netanyahu auf, sich von den Koalitionsabkommen mit charedischen Parteien zu distanzieren. «Wir stehen in einem politischen Kampf um den Charakter des Staates Israel», sagte sie. Netanyahu seinerseits nahm an der Demo zwar nicht teil, sprach am Dienstagabend an einem Bibelquiz aber ein ausdrückliches Lob an die Adresse jener Rabbiner aus, die das Vorgehen der fanatisierten Ultras ablehnen. «Wir müssen rasch handeln», meinte einer der Demonstranten, «bevor Beit Shemesh zu einem zweiten Iran wird.» Im Verlauf der Kundgebung wurden die Reifen von vier Fahrzeugen durchstochen, doch die Sicherheitsorgane nahmen keine Verhaftungen vor.

In einer anderen Entwicklung enthüllten zuständige Polizeikreise am Dienstagabend, dass es sich bei den meisten der rechtsextremen Aktivisten, die vor rund zwei Wochen in eine IDF-Basis in der Westbank eingedrungen waren, um Studenten an der Jerusalemer Talmudhochschule «Merkas Haraw» handle. Der Shabak-Geheimdienst empfiehlt zudem, mindestens drei jüdische Rechtsextremisten als Reaktion auf die jüngste Eskalation der gewalttätigen Angriffe gegen Palästinenser und IDF-Soldaten in Administrativhaft zu nehmen. [JU]