Süsse Heimat Chicago
Für Insider war es keine Überraschung, dass die Stabschefin der First Lady ihren Job nach 18 Monaten wieder aufgab: Susan Sher ist zwar seit vielen Jahren eine der engsten Freundinnen von Michelle Obama, aber ihr Gatte Neil Cohen ist Richter in Chicago, und die Juristin wollte sich daher nicht auf Dauer in Washington ansiedeln. Sher hat daneben dem Präsidenten als Kontakt zu jüdischen Gemeinden und Organisationen gedient. Sie kennt die First Lady seit Anfang der neunziger Jahre, seit gemeinsamen Zeiten in der Verwaltung des Chicagoer Bürgermeisters Richard Daley. Sher war acht Jahre lang für den mächtigen Stadtvater tätig, zuletzt längere Zeit als Leiterin seiner Rechtsabteilung. Sie gehörte damit zum inneren Zirkel Daleys, was ihr tiefe Einblicke in die Politik Chicagos und des Staates Illinois verschafft hat. Sher hat dort auch Valerie Jarrett kennengelernt, die bis heute engste Vertraute beider Obamas und innenpolitische Beraterin des Präsidenten.
Danach wirkte Sher ein Jahrzehnt als Vizepräsidentin für die Rechtsabteilung der University of Chicago. Auch dort überschnitt sich ihre Karriere mit der Michelle Obamas, die von 1996 bis kurz vor Barack Obamas Wahl zum Präsidenten im November 2008 führende Positionen in der Universitätsverwaltung und der dortigen medizinischen Fakultät innehatte. Sher folgte den Obamas im Januar 2009 ins Weisse Haus und war dort zunächst Rechtsberaterin des Präsidenten. Sher ist Anfang 60 und gilt als ausserordentlich erfahren und durchsetzungsstark. Wenn Michelle Obama erklärt, sie lasse ihre Freundin ungern ziehen, ist das deshalb mehr als eine leere Floskel. Mit Sher verlässt eine weitere Führungspersönlichkeit das Weisse Haus. Wenige Wochen vor ihr war Barack Obamas Stabschef Rahm Emanuel nach Chicago zurückgekehrt, um sich dort um die Nachfolge Daleys als Bürgermeister zu bewerben. Über die weiteren Pläne von Susan Sher ist dagegen bislang noch nichts bekannt.