Stimmen zu Hans J. Bär
Stuart E. Eizenstat, Sonderbeauftragter von US-Präsident Bill Clinton für Restitutionsfragen aus der Holocaust-Zeit, wichtiger Vermittler beim Bankenvergleich von 1998: «Hans Bär war ein grosser und guter Mensch, eine unverzichtbare Persönlichkeit, als es galt, den Streit mit den Schweizer Banken zu lösen. Er wurde von den Schweizer Bankern und der Bankiervereinigung respektiert, doch gleichzeitig war er, dank der Herkunft seiner Familie, sensibel für die Nöte und Bedürfnisse jener, die versuchten, ihre Bankkonten aus der Holocaust-Zeit zu finden. Er war zudem unverzichtbar, um die Emotionen auf beiden Seiten zu beruhigen und Lösungen zu finden. Ich fand ihn stets konstruktiv und hilfreich und loyal gegenüber seinen Schweizer Bankkollegen.»
Rolf Bloch, Präsident des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds während der Zeit der Holocaust-Debatte: «Hans J. Bär habe ich kennengelernt wegen der nachrichtenlosen Vermögen und konnte feststellen, dass er nicht nur Bankier war, sondern auch politisches Gespür hatte. Er setzte sich für die jüdischen wie für die schweizerischen Belange ein. Seine Gedanken folgten nicht immer dem Mainstream; er dachte oft auch unkonventionell. Deswegen stiess er nicht überall auf Gegenliebe. Auch in Bezug auf das Bankgeheimnis hatte er andere Ideen als andere Bankiers. Ich stellte bei ihm politisches und menschliches Sensorium und Empathie fest. Ich konnte deshalb sehr gut mit ihm zusammenarbeiten. Wir hatten sehr ähnliche Gedanken und konnten uns aufeinander abstimmen. Ich wusste um seine Krankheit; das Schicksal hat uns nicht mehr zusammengeführt.»
Michael Kohn, am Anfang der Schweizer Verhandlungen mit dem Jüdischen Weltkongress (WJC) beteiligt: «Eine wichtige Leistung vollbrachte Hans J. Bär, als er den Historiker Thomas Maissen beauftragte, die Geschichte der ‹nachrichtenlosen Vermögen› zu schreiben. Dieser Auftrag entstand, nachdem ich mit Hans J. Bär während eines Kolloquiums im Archiv für Zeitgeschichte der ETH darüber uneinig war, ob es unser erster Empfang für den damaligen WJC-Präsidenten in Bern war, der Edgar Bronfman zu unserem Gegner gemacht hatte oder nicht. Ich wies ihn darauf hin, dass auch Thomas Maissen im Publikum sass, der für die NZZ dieses Thema bearbeitete. Bär gab für Maissens Standardwerk ‹Verweigerte Erinnerung›, für das er zahlreiche Sitzungen mit einem illustren Beirat durchführte, mehrere 100 000 Franken aus. Persönlich war er, sobald er sich jemandem öffnete, sehr herzlich. Er war ein Gentleman und hatte Stil.» [GB]