Stadt ohne Frieden
Hoffnung, Sehnsucht, Erlösung, Frieden – Begriffe, welche Juden in aller Welt seit hunderten von Jahren mit Jerusalem verbinden. Doch die Geschichte der Heiligen Stadt war blutig, geprägt von Tod, Zerstörung und Trauer. Drei Fasttage erinnern daran, der höchste Trauertag am kommenden Donnerstag (vgl. Seite 2), der 9. Aw, steht für die Zerstörung der beiden Tempel, für den Fall der Fes-tung Betar im Bar Kochba-Aufstand, für die letzte Möglichkeit zur Taufe während der Inquisition. Er steht für die historischen Daten der Verfolgung und Vertreibung. Jerusalem kam und kommt nicht zum Frieden. Die Stadt des Friedens (der Name wird u.a. auf den Stamm Schalem = Friede zurückgeführt) steht nach fast 2000 Jahren immer noch im Mittelpunkt von Auseinandersetzungen. Anstatt Symbol des Friedens zu sein, steht sie als Metapher für das Scheitern.
Es zwar der vermeintliche Streitpunkt Jerusalem, der «Camp David II» zum Scheitern gebracht haben soll, politisch nachvollziehbar, historisch logisch, und rechtlich aber zumindest diskutierbar. Aber während eine friedliche Lösung auf sich warten lässt, werden Hass und Distanz zwischen den Menschen immer grösser; Jerusalem eint nicht, es spaltet. Die Stadt steht wie ein Keil zwischen den Menschen, zwischen Konfessionen und Völkern. Es war der innerjüdische Hass, der Jersualem einst zerstörte und es ist wieder Jerusalem, das in der Verheissung Secharjas gespaltet werden wird. Am 9. Aw verliess Gott den Menschen, die Zerstörung des Zweiten Tempels war auch das Ende der Prophetie, des Dialoges mit Gott. Gott ging. Zurückkehren wird er erst wieder, wenn Frieden herrscht.