Spenden bleiben abzugsfähig
Den traditionellen Apéro vor der GV der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich (ICZ) hatte Klas Rittri gespendet, der neue Pächter des Restaurants im ICZ-Gemeindehaus. Die ästhetisch wie kulinarisch überzeugenden Häppchen wurden allgemein gelobt, und kleine runde Tische liessen erahnen, wie einfach das Foyer zum Begegnungsort umgestaltet werden könnte.
Gleich zu Beginn der GV bat Co-Präsidentin Shella Kertész die Anwesenden, sich zum Gedenken an die Opfer von Mumbai zu erheben. Die einmal mehr umsichtige und pünktliche Versammlungsleiterin bekräftigte, dass die Information durch den Vorstand weiterhin umfassend sein und wahrheitsgetreu sein werde. Anschliessend dankte sie den Sicherheitsleuten (Chef Roy Schlesinger feierte sein 15. Dienstjubiläum). Nächstes Jahr wird die Bibliothek ihr grösstes Anliegen verwirklichen und endlich online gehen, was für die internationale Vernetzung wichtig sei. Mit der jungen Gemeinde Tiferet hätten Gespräche und Verhandlungen stattgefunden, die bald in einer guten Lösung gipfeln würden, doch das letzte Wort werden die Gemeindemitglieder haben. Unter den Jubilaren der Verwaltung rühmte sie speziell den Finanzsekretär Ruben Rosenfeld, seit 25 Jahren im Amt und die «Wikipedia der ICZ».
Restaurant «Eight25»
Als Überraschung zeigte die Co-Präsidentin die opulente und vielversprechende neue Homepage des Restaurants und enthüllte dessen Namen: «Eight25», in Anlehnung an den Zug von Baden nach Zürich um 8.25 Uhr, mit dem viele Juden zur Arbeit fuhren, bevor sie in Zürich auch wohnen durften, und der seither als Spitzname für jüdische Menschen verwendet wird. Die Erwartungen einerseits und die Versprechen andererseits sind sehr gross. Die Renovation und damit die Eröffnung verzögert sich allerdings noch, weil das Konkursamt die Räume erst kürzlich freigegeben hat.
Aus den Kommissionen gab es zahlreiche Rücktritte zu vermelden, und somit standen Ersatzwahlen an. Sima Kappeler wird weiterhin den Literatur-Lunch betreuen, Mirjam Rosenthal will als externe Expertin die Projekte für das erweiterte Kindergartenangebot und die Umsetzung des Volksschulgesetzes begleiten, Ruth Gellis wird statt dem Rektorat die Stelle einer Projektleiterin für interreligiöse Kontakte übernehmen, Max van Gelder wurde zum neuen Präsidenten der Kommission Mitgliederdienste und Monica Rom zum Mitglied der Geschäfts- und Rechnungsprüfungskommission gewählt.
Bescheidenere Baupläne
Eli Eyal setzte die schöne Tradition der ICZ-Quästoren fort: Sein erstes Budget wurde praktisch kommentarlos durchgewinkt. Wegen der Finanzkrise wird mit weniger Steuereinnahmen gerechnet, erklärte Eyal, doch es gibt einen beinahe gleich grossen Reservefonds von mehr als 140 000 Franken, der noch vom vorherigen Vorstand zurückgestellt wurde. Auf die Fragen nach den Wertberichtigungen der Wertschriften und nach den Gründen, weshalb die ICZ-Steuern nicht mehr bei der allgemeinen Steuererklärung geltend gemacht werden können, gab es klare Antworten: Die ICZ hat zu 77 Prozent in Obligationen investiert, zu 14 Prozent in Festgeld und Kassa und nur zu neun Prozent in Aktien, wobei lediglich drei Titel problematisch seien; weitere Wertberichtigungen seien nicht nötig. Und nach der öffentlich-rechtlichen Anerkennung gelte für die jüdischen Gemeinden das gleiche Recht wie für die Landeskirchen, nämlich dass die Kirchensteuer nicht geltend gemacht werden könne.
Spenden allerdings sind nach wie vor abzugsfähig. Das betonte auch Paul Wyler, der als Präsident der Baukommission über den Stand von Umbau/Neubau des Gemeindehauses berichtete. Seine Feststellung vom 7. Juli 2007, die ICZ müsse kleinere Brötchen backen, gelte mehr denn je, so Wyler. Die Gemeinde müsse mit Vermögen und Steuern umsichtig umgehen. Alle Arbeiten sollen möglichst ohne Einsprachen in zwei Jahren abgeschlossen sein. Investieren will man zuerst in die Zukunft, in die Kinder und Jugendlichen. Bis zum Schuljahr 2009/10 soll dieser Teil des Gemeindehauses so umgebaut sein, dass der Ganztageskindergarten und -ganon gesetzeskonform, unter anderem mit Ruheräumen, seinen Betrieb aufnehmen kann. Eltern mit Kindern unter sechs Jahren haben bereits einen Fragebogen erhalten. Die Wünsche aller Kommissionen sollen so weit wie möglich berücksichtigt werden.
Das an der letzten GV vorgeschlagene Budget von sieben Millionen Franken sollte nicht überschritten werden. Deshalb müsse der notwendige Umbau des Grossen Saals, des Herzstücks des Gemeindehauses, durch private Sponsoren finanziert werden. Intensive Gespräche sind im Gang, noch sind aber keine Zusagen erfolgt. Die Tatsache, dass Spenden weiterhin abzugsfähig sind, könnte hier helfen. An einer ausserordentlichen GV im ersten Quartal 2009 will der Vorstand über konkrete Fortschritte in der Planung informieren.