Sonne, Mineralien und Ruhe
Endgültig heilen lässt sich eine Hautkrankheit wie Psoriasis (Schuppenflechte) nicht, doch eine Verlängerung der sogenannten Remissionsphase, also der beschwerdefreien Zeit, ist durchaus möglich. Je nach Krankheit – Psoriasis ist nur eine, hinzu kommen verschiedene Formen von Neurodermitis oder Vitiligo (Weissfleckenkrankheit), und es werden auch rheumatologische sowie nicht dermatologische Erkrankungen therapiert – dauert die Remissionsphase sieben bis acht Monate, in Ausnahmefälle auch bis zu zwei Jahren oder mehr. «Stress verschlechtert den Zustand», erklärt Oberschwester Irmgard Jahn, seit bald
15 Jahren Verwalterin des Deutschen Medizinischen Zentrums (DMZ) in Ein Bokek am Toten Meer. «Der Körper reagiert auf Stress an seiner schwächsten Stelle, im Fall von Psoriaris also an der Haut.» Auf den ersten Blick eine ernüchternde Diagnose, bedeutet diese Schlussfolgerung doch, dass Psoriasis-Patienten ihre medizinische Last (mehr oder weniger sichtbare Hautflechten, die das Erscheinungsbild des betroffenen Menschen über lange Zeitperioden hinweg wesentlich beeinträchtigen können) das ganze Leben mit sich herumschleppen müssen.
Irmgard Jahn («Ich reise zwar hin und wieder nach Deutschland, doch zuhause bin ich in Israel»), der wir in den gepflegten, ruhigen Klinikräumen der Tagesklinik im Hotel Lot gegenübersitzen, relativiert diese an sich negative Erkenntnis: «Die Leute, die zu uns kommen, investieren ihr gutes Geld in eine Behandlung, und wir konzentrieren uns auf die regional-spezifischen Ressourcen.» Im Klartext heisst das: Das DMZ stützt sich bei seiner Klimaheiltherapie auf die reichhaltigen Mineralvorkommen in der Luft am Toten Meer, auf die lokal vorhandenen Möglichkeiten von Schlammpackungen und auf gesundheitsfördernde Sonnenbestrahlung. Hinzu kommen für die Patienten oft sehr anstrengende Therapien von bis zu sechs Stunden täglich. Im DMZ arbeiten heute drei Ärzte, zwei Schwestern und drei Sekretärinnen. Zudem steht ein professionelles Beraterteam in Kooperation mit der Hebäischen Universität in Jerusalem zur Verfügung.
Immer mehr Allergien
Wissenschaftliche Daten belegen, dass die Klimaheiltherapie hoch wirksam und frei von Nebenwirkungen ist, und die Dauer des therapeutischen Effekts nach erfolgreich durchgeführter Behandlung bis weit in die zweite Hälfte des ersten Jahres nach der Therapie anhält. Die relativ niedrigen Kosten (vgl. Kasten) für eine Psoriasis-Klimabehandlung am Toten Meer heben sich im Vergleich zu den meisten anderen Verfahren sehr positiv hervor.
Seit seiner Gründung durch den Deutschen Reinhold Heckel im Jahre 1989 ist das DMZ ununterbrochen in Betrieb. Das trägt wesentlich zum guten, soliden Ruf bei, den die Klinik international geniesst. «Je nach Wirtschaftslage und weltweiten Krisen», meint Klinikleiter Marco Harari gegenüber tachles, «bleiben Patienten aus dem Ausland manchmal weg. Dann trägt uns das Hotel Lot durch die finanzielle Talsohle hindurch.» Langfristig gesehen nimmt die Bedeutung von Institutionen wie dieser medizinischen Einrichtung zu. Heute leiden rund zwei Prozent der Bevölkerung Europas an Psoriasis; bei Neurodermitis liegt der Anteil bei drei bis fünf Prozent, und die Tendenz ist in beiden Fällen steigend. Harari führt das auf stets neue Formen von Allergien zurück, wobei die Luftqualität und Umwelteinflüsse einen nachhaltigen Einfluss ausüben.
Marco Harari, der einer aus Ägypten nach Marseille emigrierten jüdischen Familie entstammt, landete durch «Zufall» am Toten Meer. Als sein dreijähriger Sohn an Asthma erkrankte, machten Freunde ihn auf den ihm bis dahin unbekannten Ort Arad oberhalb des Toten Meeres aufmerksam, der dank seines spezifischen Klimas schon viele Asthmapatienten als geheilt entlassen konnte. 1983 kam Harari mit seiner Familie für sechs Monate nach Arad. Jetzt, im Herbst 2009, ist er immer noch dort und bereitet sich auf eine Professur für Klimatherapie an der Hebäischen Universität vor. «Langsam, aber sicher, begann man, unsere Arbeit am Toten Meer ernst zu nehmen», erzählt er. «1992 führten wir das erste computerisierte System für epidemiologische Studien ein, und heute arbeiten wir mit vielen Instituten zusammen. Jedes Jahr organisieren wir drei bis vier Fachkongresse, und israelische Medizinstudenten müssen im Rahmen ihres Studiums einen Augenschein in unserer Klinik nehmen.»
Teure Behandlung
Auf die Frage, ob sich die Klimaheiltherapie lohnt, lächelt Harari zurückhaltend und sagt: «Wir sehen, wie die Leute zu uns kommen, und wir sehen, wie sie uns nach drei bis sechs Wochen verlassen. Die Antwort ist ein klares Ja.» So klar scheinen dies die Kranken- und Pensionskassen immer noch nicht zu sehen. Seit bald vier Jahren sei, so Irmgard Jahn, kein einziger Vertreter einer Krankenkasse mehr hier zu Besuch gewesen, und Marco Harari doppelt nach: «Der Eindruck hält sich hartnäckig, dass sich Leute hier auf billige Weise einen zweiten bezahlten Urlaub ergaunern. Das ist natürlich Quatsch.» In Deutschland und Österreich setzt sich bei Krankenkassen, Rentenanstalten und Versicherungen seit einigen Jahren die Erkenntnis durch, dass das DMZ und das Research Institute at the Dead Sea, ein Gemeinschaftsunternehmen des Jerusalemer Hadassah-Universitätsspitals, des DMZ und der Abteilung für Dermatologie des Ludwig-Maximilian-Universitätskrankenhauses in München, seriös arbeiten und im Endeffekt die Kosten der Krankenkassen und Versicherungen senken. In der Schweiz tut man sich traditionell schwer, und bis jetzt konnte sich erst die Helsana zu einer teilweisen Übernahme der Behandlungskosten am DMZ und der Reisekosten nach Israel durchringen.
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