Schweres Geschütz
Mit schwerstem Geschützt fährt Thomas Friedman, Starkolumnist der «New York Times», in seiner kritischen Beurteilung der israelischen Haltung zu den Geschehnissen in Ägypten auf. Die «Kinder Ägyptens» erlebten, so Friedman, den Moment ihrer Befreiung, während Israel beschloss, sich «bis zum bitteren Ende auf die Seite Pharaos» zu schlagen. In seiner dieser Woche publizierten Kolumne macht Friedman sich Sorgen um Israels Zukunft, da das Land heute, zu einer Zeit, in der für den Nahen Osten eine Periode grosser Veränderungen angebrochen sei, eine Regierung habe, die «realitätsfremder, einfallsloser und mehr von Klischees besessen» sei als irgendeine ihrer Vorgängerinnen. Gute Worte hatte Friedman einzig für Natan Sharansky übrig, der in einem Zeitungsinterview sagte, Partnerschaften mit Diktaturen seien unhaltbar, Völker könnten nicht permanent unterdrückt werden, und sie würden in dem Moment nach der Freiheit greifen, in dem ihre tyrannische Führungsspitze den Eindruck der Schwäche erkennen lasse. Für den Knessetabgeordneten Yaacov Katz von der Nationalen Union ist Thomas Friedman nichts anderes als ein «Hofjude», dem die Diaspora mehr bedeute als der Staat Israel und dessen jüngste Ausführungen nichts anderes seien als ein weiterer Versuch, «sein ureigenes Judentum anzugreifen und zu negieren». [ju]