Schüler aus Ashdod zu Besuch

von Hella Elbaum, April 2, 2009
Vom 18. bis 24. März besuchte eine Delegation, bestehend aus 16 Jugendlichen aus Ashdod, die Schweiz. Sieben Tage lang lernten sie das Land kennen und trafen Gleichaltrige verschiedener Religionen und Nationalitäten.

Den 28. Dezember 2008 werden die 16 Schüler und Schülerinnen aus Ashdod wohl nie vergessen. Zum ersten Mal spürten sie und die über 200 000 restlichen Einwohner der Hafenstadt die Bedrohung durch die Hamas am eigenen Leibe. Als die Sirenen aufheulten, wussten sie alle schon, was zu tun war. Obwohl Ashdod ganze 40 Kilometer nördlich des Gazastreifens liegt, waren die Einwohner vorbereitet. Die Grad-Rakete schlug tagsüber in der Nähe eines Fitnessstudios ein. Unweit dieses Ortes legte eine junge Frau schützend ihre Arme um den Körper ihrer kleinen Schwester und wurde von einem aufgewirbelten Splitter getroffen. Sie überlebte nicht. Während der kommenden Wochen der Gaza-Offensive schlugen noch Dutzende weitere Raketen in der Industriestadt ein und sorgten für Anspannung in der dicht besiedelten Gegend.

Das Programm

Zehn Wochen später erzählen die Jugendlichen den Schülern der Zurich International School (ZIS) von ihren Erlebnissen während des Kriegs, ihren Gedanken und Gefühlen zu dieser Zeit. Ausserdem besprechen sie allgemeine Konflikte in Israel. «Es ist schrecklich, wenn viele unschuldige Palästinenser sterben», sagt Liron einen Tag später zu Jugendlichen des Bne Akiwa, «aber man muss auch die andere Seite sehen. Unsere Regierung schützt uns, so gut es geht, während die Hamas ihre Bevölkerung als menschliche Schutzschilder missbraucht!» Die 18-Jährige weiss, welche Fragen die in der Schweiz lebenden Schüler beschäftigt – ob jüdisch oder nicht. Zwei Tage zuvor, während ihres Besuchs in Luzern, hat man die Schüler in einem Vortrag über die «Schweizerische Sicht eines Israeli» unterrichtet. Voller Elan unterhalten die Jugendlichen am Schabbat die jüngeren Mitglieder des Bne Akiwa mit Liedern, Spielen und Theaterstücken. Die Truppe wirkt im Allgemeinen äusserst fröhlich und gelöst – in jeder Situation. Es ist fast ein Widerspruch nach den eben noch so ernsten Gesprächen.

Erholung und Entspannung

Nach sieben Tagen reisen die Jugendlichen zufrieden, erholt und um viele Erfahrungen reicher zurück in ihre Heimat. «Der einwöchige Aufenthalt der israelischen Gruppe diente vordergründig der Entspannung der Schüler. Nach den traumatischen Ereignissen im Januar diesen Jahres sollten sie die Solidarität der jüdischen Gemeinde in der Schweiz spüren und sich mit anderen Jugendlichen austauschen können«, erzählt Yardena Haddad, ehemalige Schulleiterin aus Ashdod und Leiterin des Projekts. «Ausserdem ist es wichtig, dass die nächste Generation in Israel auch den Standpunkt eines Nichtjuden versteht, um nicht in den Extremismus abzudriften», fügt sie hinzu. «Nur so werden die zukünftigen, israelischen Führungspersonen imstande sein, eine Lösung für diesen Konflikt zu finden.»