Schmerzhaftes Déjà-vu-Erlebnis
Es ist leider ein Déjà-vu-Erlebnis für alle «nivcheret» (Auswahl)-Fans: In den letzten fünf WM-oder EM-Qualifikationen ist Israel immer nur knapp gescheitert. Jeweils nur ein oder zwei Punkte fehlten, um eine Direktqualifikation oder zumindest die Barrage-Spiele der besten Gruppenzweiten zu erreichen. Bei der Vorausscheidung zur WM 1998 und 2002 landete man auf dem dritten Platz und schaffte in der Qualifikation zur Euro 2000 sogar den Sprung in die Barrage. Doch dort unterlag die Mannschaft Dänemark, das anschliessend an die Europameisterschaft fahren konnte. Ganz knapp war es bei der WM 2006 und der Euro 2008. Vor allem im Duell mit Frankreich und der Schweiz um die beiden ersten Gruppenplätze in der WM-Qualifikation 2006 musste man den verpassten Chancen nachweinen.
Und heuer ist es wieder so: Der – durchaus mögliche – Sieg gegen Lettland hätte Israel dank dem Erfolg der Schweiz über Griechenland und dem anschliessenden
Remis der Hellenen in Moldawien die «nivcheret» auf den zweiten Platz katapultiert. Es scheint eine Tradition in Israels Fussball zu sein, dass sich die Mannschaft immer wieder an die internationale Spitze heranpirscht, um dann an einer scheinbar einfachen Aufgabe zu scheitern – beziehungsweise die sich bietende Chance nicht zu nutzen. Das bestätigt auch Israels neuer Stürmerstar Elyaniv Barda: «Wir haben ein starkes Nationalteam mit guten Spielern. Die letzten Partien mit Ausnahme derjenigen gegen Luxemburg waren nicht so gut, und jetzt wurmt uns die sinnlose Heimniederlage gegen Lettland erst recht. Wir haben auf dumme Weise eine tolle Chance verschenkt.»
Gibt es in Basel ein «israelisches Wunder»?
Am nächsten Samstag, den 10. Oktober, in
Ramat Gan, und danach am Mittwoch, den 14. Oktober, in Basel hilft also nur noch
eines: zwei Siege – und dass die anderen Konkurrenten möglichst ein Mal, wenn nicht sogar zwei Mal, Punkte liegen lassen. Pikanterweise könnte in Basel, dem Ort an dem Theodor Herzl 1897 den ersten Schritt zur Gründung Israels unternahm, ein weiteres «israelisches Wunder» geschehen.
Aber angesichts der Ausgangslage kann nur noch das Prinzip Hoffnung helfen. Und erneut richtet sich die Hoffnung auf die nächste Generation. Denn nach wie vor hängt vieles, ja zu vieles von Yossi Benayoun ab. Der Liverpool-Star ist der Denker und Lenker des Teams und kein anderer offensiver Spielmacher mit seinen Fähigkeiten kann derzeit seinen Platz einnehmen. Auch nicht Gal Alberman. Dies macht die Nationalmannschaft aber eindeutig zu berechenbar. Besser sieht es bei den Defensivleuten und in der Offensivabteilung aus. Besonders die Stürmer sind nun gefordert: Yaniv Katan, Omer Golan, Ben Sahar und Elyaniv Barda. Barda könnte Benayoun auch etwas entlasten in der offensiven Kreativität.
Führungsqualitäten
Barda, der bisher beste Torschütze der «nivcheret» in dieser Qualifikationsgruppe, hatte 2007 nach Stationen bei Hapoel Tel Aviv und Maccabi Haifa sein Heimatland verlassen und den Wechsel nach Belgien gewagt. Beim amtierenden Pokalsieger KRC Genk hat sich der 28-Jährige zum Führungsspieler entwickelt, und auch in der Nationalmannschaft zeigt er Führungsqualitäten.
«Ich bin derzeit glücklich in Genk», meint Barda. Doch bei einem Klub würde er wohl nicht lange überlegen, ob er das Trikot tragen möchte: Juventus Turin. «Ich bin ein Fan von Juve. Dort zu spielen wäre ein Traum.» Kein Wunder also, dass mit Alessandro Del Piero eine Integrationsfigur der Turiner sein Lieblingsspieler ist.
Doch bevor ein Wechsel in eine der Top-Ligen Europas in greifbare Nähe rücken kann, gilt es, sich weiterhin in der WM-Qualifikation zu profilieren. Mit Toren in den nächsten Spielen könnte nicht nur das WM-Ticket, sondern auch der nächste Karriereschritt möglich sein. «Für mich würde ein grosser Traum in Erfüllung gehen, wenn ich in Südafrika mit meinem Nationalteam antreten könnte», bestätigt Barda und erklärt weiter: «Es gibt einem ein gutes Gefühl, wenn man sein Land repräsentieren kann. Man will einfach immer sein Bestes geben, und die ganze Nation steht hinter einem.»
Israel hat sich in den letzten Jahren trotz jeweils knapp verpassten WM- und EM-Qualifikationen in den Top 30 der
FIFA-Weltrangliste etabliert. Es gab Achtungserfolge wie zum Beispiel den Sieg gegen Russland letztes Jahr. «Wir haben es verdient, in der FIFA-Weltrangliste so weit vorne zu stehen. Aber wir müssen unsere Leistungen auch bestätigen, konstanter werden und uns endlich auch mal für ein grosses Turnier qualifizieren.»