Sanfte Revolution
Über zwanzig Jahre nach dem Sturz des iranischen Schahs Reza Pahlewi zeitigt eine langsame aber stetige Entwicklung die Rückkehr zur Aufbruchstimmung in Persien. Nach den Parlamentswahlen und dem Wahlerfolg der Kandidaten rund um Präsident Khatami vom letzten Wochenende macht sich Reformstimmung breit. Nach zwanzigJahren Fundamentalismus, Krieg und Unterdrückung individueller Freiheit, setzt das iranische Wahlvolk ein Zeichen. Keiner der einstigen Revolutionäre wurde wiedergewählt. Trotzdem, ein langer Weg steht noch bevor, bis die demokratischen Ansätze Früchte tragen werden. Das offizielle Israel beäugt die Entwicklungen im Iran noch kritisch. Denn Iran ist nach wie vor einer der Drahtzieher terroristischer Aktivitäten gegen Israel, nicht zu vergessen, die 13 immer noch unter Spionageverdacht im Gefängnis sitzenden iranischen Juden. So ist Premier Baraks Reaktion auf die Wahlergebnisse verständlich, zuerst müsse Iran die Unterstützung des Terrors gegen Israel eintstellen. Auf diplomatischer Ebene wird die Entwicklung im Iran allerdings für Belebung sorgen. So war Miriam Shomrat, die neue israelische Botschafterin in Helsinki, nicht wenig erstaunt, als im Verlaufe eines Empfangs an der griechischen Botschaft, ein Mann sich ihr als der iranische Botschafter in Finnland vorstellte und sie in ein längeres Gespräch verwickelte. Der Anlass war Frau Shomrat - sie hat in der Vergangenheit u.a. an den israelischen Botschaften in Den Haag, Bern (als Botschaftssekretärin) und Berlin gearbeitet - wichtig genug, um dem Jerusalemer Aussenministerium darüber in einer vertraulichen Depesche zu berichten. Im Ministerium unterstreicht man einerseits, dass es sich um eine zufällige, nicht verpflichtende Unterhaltung gehandelt hat, doch gibt man zu, dass das Treffen als aufsehenerregend und präzendenzlos einzustufen ist. Normalerweise würden, wie in Jerusalem betont wird, iranische Diplomaten an offiziellen Anlässen und Empfängen einen weiten Bogen um israelische Kollegen und Kolleginnen machen. – Eine Begegnung, die zwar nicht überbewertet werden darf, die aber trotzdem einen ersten Symbolcharakter besitzt. Schliesslich ist Iran ein elementarer Mosaikstein im nahöstlichen Friedenszprozess.