Rückkehr = Rückschritt
Viele Details im Vermittlungsvorschlag des US-Präsidenten (vgl. S. 1) stossen sowohl den Palästinensern als auch den Israelis sauer auf. Mit seiner Bemerkung, die Flüchtlinge dürften nicht nach Israel zurückkehren, wird Clinton sich vor allem bei den Palästinensern kaum neue Freunde geschaffen haben. Dabei zeugt gerade dieser Vorschlag von einer Betrachtungsweise, wie sie realpolitischer nicht sein könnte.
Wenn wir davon ausgehen, dass Palästinenser und Israelis heute miteinander um eine Lösung ringen, in deren Zentrum ein dauerhafter Frieden zwischen Juden und Arabern im Nahen Osten steht, dann kann das palästinensische Beharren auf dem Recht auf Rückkehr, bzw. auf der faktischen Verwirklichung dieses Rechtes, nichts anderes sein als ein taktisches Rückzugsgefecht, als ein Versuch, im letzten Augenblick noch ein paar Pluspunkte herauszuschinden. Das Ergebnis erfolgreicher Verhandlungen kann doch nur die bilaterale Anerkennung des Existenzrechtes und die daraus sich zwangsweise ergebende Notwendigkeit einer friedlichen oder zumindest korrekten Koexistenz sein. Was aber würde die faktische Umsetzung des Rechts auf Rückkehr nach palästinensischer Version für Folgen haben? In erster Linie würde Israels Charakter als Staat der Juden durch den Zustrom von hunderttausenden von Menschen, die seit Jahrzehnten keine andere geistige Nahrung in sich aufgenommen haben als den Hass gegen die zu vernichtende «zionistische Einheit», verzerrt und verwässert werden. Dann würde dieses Zurückdrehen des Rads der Geschichte unendliches Leid und Frustration schaffen. Einmal müssten die Rückkehrer feststellen, dass die meisten der Häuser, die ihre Eltern bzw. Grosseltern besessen hatten, entweder nicht mehr existieren oder heute von Juden bewohnt werden. Und dann müssten seriöse Palästinenser eigentlich auch erkennen, dass sie die Landsleute, die sie zur Rückkehr ins heutige Israel verleiten, in eine wirtschaftlich-gesellschaftliche Zukunft stossen, die im besten Falle unsicher ist. Kurz, Palästinenser, denen es ernst mit der friedlichen Koexistenz mit den Israelis ist, sollten den Mut und die Weitsicht aufbringen und das Recht auf Rückkehr als grundsätzlich-finanzielles Recht deklarieren, nicht aber als ein Recht, das buchstabengetreu in die Tat umgesetzt werden kann. Rückkehr wäre hier wirklich gleich Rückschritt, nicht zuletzt, weil im Hintergrund ja auch noch die Forderungen der aus arabischen Ländern vertriebenen Juden existiert. Diese Gemeinschaft zählt heute, alle Generationen zusammengenommen, nicht weniger als jene der palästinensischen Flüchtlinge.
Der israelisch-palästinensische Konflikt spielt sich im Meer der Araberstaaten ab. Wenn letztere wirklich an einem Frieden mit Israel und am Entstehen eines Palästinenserstaates interessiert sind, sollten sie heute das tun, was sie vor Jahrzehnten schon hätten tun müssen: den in ihren Grenzen lebenden Flüchtlingen die Integration in ihre Gesellschaft offerieren.