Roter Davidstern bald salonfähig?
Im Verlaufe einer internationalen Versammlung in Genf drängten Offizielle des amerikanischen Roten Kreuzes letzte Woche darauf, dem «Magen David Adom», dem israelischen Pendant des Roten Kreuzes und des Roten Halbmondes, die volle Mitgliedschaft im Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) zu gewähren. Bernadette Healy, Präsidentin des Roten Kreuzes der USA, meinte, das Emblem des Roten Davidsterns sollte vom IKRK anerkannt werden.
Israels bisherige Nichtaufnahme bezeichnete sie als «Verrat an den geheiligten Grundsätzen dieser Bewegung, die nicht länger zu tolerieren ist». Zu raschen Entscheidungen wird es aber nicht kommen. Die Versammlung kam überein, eine Arbeitsgruppe zu bilden, die sich mit dem Thema befassen und der nächsten Versammlung berichten wird. Diese tritt in vier Jahren zusammen. Israelische Stellen begrüssen die neue US-Initiative, hätten aber ein diskreteres Vorgehen vorgezogen. Dieses ernsthafte Problem könne man nicht, wie ein israelischer Offizieller sagte, «mit einem Trommelwirbel» anpacken.
Probleme mit der Vergangenheit
Sorgen machen dem IKRK weiterhin Anschuldigungen, wonach bei Ende des 2. Weltkrieges Vertreter der Organisation hohen Nazi-Offiziellen zu Reisedokumenten verholfen hätten. Gemäss den Anschuldigungen hätten sich 1945 dank solcher Dokumente Leute wie Adolf Eichmann und Josef Mengele dem Zugriff der Justiz entziehen können. Das IKRK hat nun nach Angaben seines Sprechers Urs Boegli Forscher der Universität Genf ersucht, den Anschuldigungen auf den Grund zu gehen.
Symbolischer Wert
Zur Nichtmitgliedschaft Israels befragt, sagte Boegli auf Nachfrage der JR, das IKRK sei sich bewusst, dass «eine Vollmitgliedschaft Israels grossen symbolischen Wert hätte». Sollte Israel aufgenommen werden, würde der Rote Davidstern als Emblem neben dem Roten Kreuz und dem Roten Halbmond zum Schutze von Hilfspersonal in Kriegszeiten auftreten. 1949, als die vom Roten Kreuz anerkannten Embleme bestimmt worden waren, wurde der Davidstern mit 22:21 Stimmen abgelehnt. Trotzdem hat der «Magen David Adom» seither eng mit dem Roten Kreuz zusammengearbeitet, geniesst an Versammlungen des internationalen Gremiums aber nur Beobachterstatus.
JTA